Friedensgebet für Syrien

Friedensgebet für Syrien

Liebe Schwestern und Brüder,

sie wollen einfach nicht aufhören, die Nachrichten über die Gewaltspiralen in Syrien, Ägypten, Irak und viele andere vergessene Unruheherde der Welt. Der Nahe Osten ist seit dem „Arabischen Frühling“ in einer Kältefront versunken. Wir haben verfolgt, wie gerade muslimische Völker in ihren Ländern für Freiheit und Demokratie auf die Straßen gegangen sind, ihre Existenz und ihr Leben dafür eingesetzt haben, und doch noch immer nicht den erhofften Erfolg erzielt haben, sondern immer noch oft unter Blutvergießen zu leiden haben. Mehrere Millionen Menschen sind in Syrien auf der Flucht, haben ihr Hab und Gut verloren, von welchem sie ohnehin wenig besaßen. In Syrien gibt es fasst keine Familie, die nicht den Verlust eines lieben Menschen beklagt: Vater, Mutter, Kinder, Geschwister, Eltern sind feige und ohne Grund einem grausem Tod ausgeliefert worden.

So einfach geht es über unsere Lippen. Welche brutalen Schicksale sich dahinter verbergen ist wenigen von uns bekannt. Welche schrecklichen Folgen es unmittelbar für die syrische Bevölkerung und unsere globale Weltgemeinschaft haben wird ebenso. Viele Punkte rufen Erinnerungen zurück, die einige an Leib und Seele während des Bosnienkrieges erfahren mussten. Warum nur macht die gleiche internationale Staatengemeinschaft, die während des Bosnienkrieges dabei versagte den Völkermord zu verhindern, derzeit in Syrien denselben Fehler. Ist es denn nicht offensichtlich welche massiven Menschenrechte hier mit Füßen getreten werden? Wie viel Blut und Elend braucht es noch?

Liebe eine Welt,

wem es wirklich um die Menschen in Syrien geht, der sollte jetzt tun, was wirklich getan werden kann – auch wenn es wenig ist – und für vorübergehende sichere Fluchtorte sorgen. Von den etwa 6 Millionen Flüchtlingen haben es ein Drittel in die Flüchtlingslager der Nachbarländer geschafft, die selber bitterarm sind – politisch und logistisch völlig überfordert mit der Situation.

Selbst von der – im Vergleich – lächerlichen Zahl von 5.000 Flüchtlingen, deren Aufnahme Deutschland schon vor Wochen zugesagt hat, konnte nicht einmal die Hälfte bisher einreisen. Die humanitäre Krise in Syrien braucht zuallererst eine humanitäre Antwort! Was hindert unser Wohlstandsland diese Antwort zu geben?

Wem es wirklich um die Menschen in Syrien geht, der kann zu jeder Sekunde, an jedem Ort, eine große Waffe für den Frieden einsetzen: Das Gebet! Ähnlich wie im Psalm 91 heißt es auch im Koran, „wenn meine Diener nach mir fragen, Ich bin ihnen nahe. Ich erhöre, wenn einer zu mir betet, sein Gebet.“
So lasst uns alle zusammen beten, ganz gleich welcher Religion und Konfession für den Frieden der Menschheit:

 

Gütiger Gott!

Der Krieg zeigt sein hässliches Gesicht.
Überall die Bilder von zerfetzten Körpern,
von misshandelten Menschen,
von stumpf gewordenen, leidvollen Kindergesichtern –
Das kann nicht die Welt sein, wie Du sie gemeint hast!

Um deine Kraft zum Frieden bitten wir, guter Gott:
Um den Mut, allen entgegenzutreten,
die an gewaltsame Lösungen denken,
die mit Gedanken an Krieg ihr Spiel treiben,
die durch spannende Schilderungen den Krieg verharmlosen.

Hilflos sehen wir die vielen Formen der Gewalt und des Unrechts.
Von der großen Politik bis hin zum alltäglichen Miteinander.
Schaffe, o Gott, unseren großen und kleinen Grenzen Frieden!
Schenke, o Gott, den Städten im Nahen Osten und der ganzen Welt deinen Frieden!

Mach, dass die Herzen sich auftun und der Krieg beendet ist, noch bevor er beginnt.
Gib, Herr, dass alle Menschen guten Willens aus allen Religionen,
in Nord und Süd, Ost und West, in gemeinsamer Verantwortung, die Gräben des Hasses zuschütten und Wege für eine gemeinsame Zukunft ebnen.
Lass in der Welt die Waffen schweigen.
Und zeige uns den Genuss von Frieden, damit wir nie wieder zu Waffen greifen.

Imam Benjamin Idriz
13.09.2013