Das Projekt MFI steht für eine religiöse Einrichtung, die im räumlichen Gefüge von fünf Bausteinen verkörpert wird:

  1. Gemeindezentrum
  2. Moschee
  3. Museum
  4. Akademie und
  5. Bibliothek

1. Soziales und kulturelles Gemeindezentrum

Das Gemeindezentrum vom MFI versteht sich als Drehscheibe für religiöse, gesellschaftliche, kulturelle und soziale Belange aller Menschen.

Vordergründig sind jedoch in die konzeptionellen Überlegungen die kulturelle, soziale, strukturelle und identifikatorische Integration der Muslime angedacht. Hierbei geht es um vier Personengruppen, um die Gruppe der Kleinkinder- und Kinder, der Jugendlichen, der Frauen und der Senioren.

Familie und Ehe sind eine wichtige Basis der Gesellschaft. Gerade durch die Erfahrung der Migration und die Vielfalt der Möglichkeiten und Ansprüche der Moderne ergeben sich viele Herausforderungen und Schwierigkeiten für die Muslime. Bei der Lösung der Probleme werden bestehende Hilfsangebote selten in Anspruch genommen, da Manches als nicht kompatibel mit islamischer Lebensweise angesehen wird.

Arbeit mit Mädchen und Frauen: Ausgehend von der Grundeinstellung von MFI zu Männern und Frauen als Zwillingsgeschöpfe Gottes, deren Gleichwertigkeit religiös verankert ist, und in Anbetracht des Phänomens der ungerechten und schlechten Behandlung von Frauen in manchen muslimischen Familien, ist es Ziel von MFI, muslimischen Frauen zu ihrer verdienten, zentralen Stellung zu verhelfen, eine Vielfalt an Lebenskonzepten für Musliminnen aufzuzeigen, sie in ihrer Selbstbestimmung zu unterstützen und entschieden gegen ihre Unterdrückung einzutreten. Es gilt, alle Anstrengungen zu unternehmen, den islamischen Idealvorstellungen von einer gerechten Harmonie zwischen den Geschlechtern zum Durchbruch zu verhelfen und durch folgende Angebote zur Überwindung traditioneller Muster beizutragen, die Frauen benachteiligen oder marginalisieren:

Gezielte Aufklärungsarbeit über die Rechte der Frau, Erstellung eines Programms zur Bekämpfung der Zwangsehen in Zusammenarbeit mit vorhandenen Fraueninitiativen in München, sowohl von muslimischen als auch staatlichen, kirchlichen und freien Trägern, Aufklärungsarbeit über so genannte Ehrenmorde und Zwangsehen, Stärkung des Selbstbewusstseins der muslimischen Mädchen durch diverse Projekte, Ermutigung der muslimischen Mädchen und Frauen, aktiv in der Gesellschaft mitzuarbeiten und Fortbildungsangebote für im sozialen Bereich tätige Gruppen, die beruflich mit Musliminnen und Muslimen und befasst sind (z.B. im Krankenhaus; Multiplikatoren)

Arbeit mit Kindern: Dem Faktor Bildung kommt in unserer Gesellschaft ein hoher Stellenwert zu. Einer deutlichen Unterrepräsentanz in höheren Schulen steht eine Überrepräsentanz in niedrigen Schulen gegenüber. Neben grundsätzlichen sozialen Faktoren spielt mangelnde sprachliche Kompetenz die entscheidende Rolle. Die Eltern selbst sind oft nicht in der Lage, ihre Kinder beim Spracherwerb und in schulischen Fragen zu unterstützen. Gleichzeitig besteht durchaus der Wunsch nach einem größeren Bildungserfolg der Kinder, zumal dann, wenn eigene Aufstiegsziele, bedingt durch die Migration, nicht erreicht wurden. Das eigene oftmals niedrige Bildungsniveau, sowie schwierige Arbeitsbedingungen wie z.B. Schichtdienst, verhindern jedoch die gebotene häusliche Förderung. Mangelnde Bildung und niedrige soziale Stellung wirken sich zwangsläufig kontraproduktiv auf den Bildungserfolg der Kinder aus, und damit wiederum auf deren soziales Fortkommen. Dieser Kreislauf muss durchbrochen werden. Eltern müssen alle Möglichkeiten nützen, die Bildung ihrer Kinder zu fördern. Dazu wollen wir Eltern mit Migrationshintergund, insbesondere muslimische Eltern jedweder Herkunft, mit folgenden Angeboten unterstützen:

  • Projekte zur vorrangigen Förderung deutscher Sprachkenntnisse, Begleitende Förderung der muttersprachlichen Kompetenz, Praktische Unterstützung der jungen Mütter zur Förderung der kognitiven Entwicklung bei Kleinkindern innerhalb der Familie, Interkulturelle Spielgruppen, Märchenstunden in Zusammenarbeit mit deutschsprachigen Eltern, in deutscher Sprache und in den Herkunftssprachen, Vorträge und Seminare über die Entwicklung des Kindes und die Bedeutung der einzelnen Lebensjahre und Nachhilfekurse für die Schüler, insbesondere für die Grundschulkinder.

Arbeit mit Jugendlichen: Verschiedene Studien stellen die Situation der Jugendlichen mit Migrationshintergrund als nahezu unlösbares Problem und als Quelle für extremistisches Gedankengut dar. Muslimische Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund sehen sich häufig als Verlierer dieser Gesellschaft. Sie werden als potenzielle Gefahrenquelle angesehen, als nicht integrierbar in die pluralistische europäische Gesellschaft. Es herrschen Ratlosigkeit und Stagnation, mangelndes Wissen oder verzerrte Vorstellungen um die eigenen religiösen Wurzeln und Zukunftsangst. Wir möchten diesen Jugendlichen ein Forum bieten, um über ihren Glauben im europäischen Kontext neu nachzudenken und sich mit den Fragen der Zukunft zu befassen. MFI möchte Jugendliche ermutigen, Anstrengungen auf sich zu nehmen, an sich zu arbeiten und die eigene Persönlichkeit zu entwickeln. In Sinne einer islamischen Lebenshaltung müssen sie in Achtung vor den unterschiedlichen Formen des Zusammenlebens Verantwortung übernehmen und sich den Herausforderungen der Gesellschaft stellen. Wir möchten ihnen bei der Bewältigung der verschiedenen Lebensphasen beistehen, sie unterstützen und sozialpädagogisch und religiös begleiten, damit sie gemeinschaftsfähige, engagierte und konstruktive Bürger dieser Gesellschaft werden. Dieses möchten wir durch folgende Maßnahmen erreichen:

  • Trainings zum Abbau von Fremdenfeindlichkeit, Gewaltbereitschaft und Ausgrenzung, Förderung der interkulturellen Bildung durch interkulturelle Trainings, Projekte zur Stärkung der Gesprächs- und Konfliktkompetenz, Angebote für Jugendliche aus der Mehrheitsgesellschaft, Förderung des Austausches und der Zusammenarbeit, sowie langfristige Einbeziehung in alle Bereiche der Arbeit.

Alten- und Service-Zentrum: Ältere Muslime mit Migrationshintergrund wurden als Arbeitsmigranten für vorübergehenden Aufenthalt in Deutschland von der Wirtschaft angeworben. Viele von ihnen möchten ihren Lebensabend nicht in den Herkunftsländern verbringen. Nach Angaben des statistischen Bundesamtes wächst die Zahl dieser Menschen stetig. Das Ideal von der Familienversorgung im Alter und der Solidarität der Kinder und der Großfamilie tritt dabei mehr und mehr in den Hintergrund. Die Moderne hat auch in den Familien mit Migrationshintergrund eine Individualisierung der Lebenswelten und Lebensführungen und den Verlust vorgegebener traditioneller Lebensmuster mit sich gebracht. Diese neuen Chancen der Lebensgestaltung führen auch zu Belastungen und zu Orientierungsverlusten. Dieser wachsenden Gruppe der älteren muslimischen Menschen mit Migrationshintergrund sollen Angebote und Hilfestellungen zur Erhaltung der Lebensqualität und ihrer Selbständigkeit unterbereitet werden. Wir möchten einen Ort des Austausches und der Begegnung für die älteren Muslime mit und ohne Migrationshintergrund schaffen, an dem die Älteren sich nicht ausgeschlossen fühlen, sondern erleben dürfen, dass sie weiterhin wertvoller Teil der Gesellschaft sein und an ihrer Gestaltung mitwirken können.Folgende Angebote richten sich insbesondere an alle muslimischen Bürger in München ab 55 Jahren:

  • Zusammenarbeit mit anderen Alten- und Service-Zentren in München, Beratung in verschiedenen Sprachen, Ehrenamtliche Arbeit mit Kindern vom MFI, z.B. Ersatzoma/Ersatzopa, Interkulturelle Treffs und Vorträge zu gruppenspezifischen Themen wie z.B. rechtliche Betreuung im Alter, Patientenverfügung, Ausländerecht, Erbrecht.