Imam Idriz: „Sie sind es, die heute den Boden bereiten für die Gewalt von morgen“

Pressestatement von Imam Benjamin Idriz

Vorsitzender von ZIE-M e.V.

Pressekonferenz am Dienstag, 26.2.13 um 11:30 Uhr im Roten Salon, Café Glockenspiel

Viele Münchnerinnen und Münchner aller Religionen sind erschüttert, dass mitten in ihrer Stadt, in unserer Stadt, organisierte Kampagnen der Ausgrenzung und des Hasses gegen eine bestimmte Religion durchgeführt werden. Diese Hetze findet im Internet 24 Stunden Tag und Nacht, seit einiger Zeit aber auch mehrmals wöchentlich in der Fußgängerzone, auf dem Marienplatz und dezentral gezielt in allen Stadtvierteln statt. In dieser Art und Intensität ist eine solche Hetze in München gegen eine bestimmt Gruppe von Menschen seit langer Zeit beispiellos!

Heute haben sich die Rechtspopulisten den Islam ausgesucht, in der Hoffnung, sich auf diese Weise Aufmerksamkeit, Unterschriften und vor allem Wählerstimmen von Menschen zu erschleichen, die sicherlich zu einem sehr großen Teil gar nicht wahrnehmen, worum es wirklich geht:

ZIE-M will keine Großmoschee am Stachus bauen, und München nicht zum Zentrum des Islam in Europa machen, sondern dafür sorgen, dass Muslime, die ihre Religion in Einklang mit den Wertevorstellungen Europas im 21. Jahrhundert leben wollen, ihren Platz gemeinsam mit Christen, Juden, Angehörigen anderer Religionen und religionslosen Menschen finden. ZIE-M tritt für die Glaubensfreiheit aller ein, für die Gleichberechtigung von Mann und Frau, für die Vereinbarkeit von Islam und Moderne. Wir, die Initiatoren von ZIE-M, bekennen uns nicht nur zum deutschen Grundgesetz – wir treten seit vielen Jahren tagtäglicher Arbeit hier in Deutschland dafür ein, wir setzen die Ideen und Grundsätze der freiheitlichen demokratischen Rechtsordnung in unserem Alltag, in unserer Gemeinde, in der Moschee jeden Tag um und vermitteln sie unseren Jugendlichen. Das ist jedem, der es wissen will, bekannt und kann uns trotz ständiger Versuche aus verschiedenen Richtungen, von niemandem streitig gemacht werden, am wenigsten von Hetzrednern, die das Gegenteil von dem suggerieren, wofür ZIE-M steht.

Die Marktschreier der Menschenverachtung schüren heute unter Aufbietung erstaunlicher Kapazitäten ungehindert Intoleranz und Rassismus, und erzeugen ein Klima der Angst und der Verachtung. Damit sind sie es, die die Fundamente dieser freiheitlich-demokratischen Grundordnung in Frage stellen und die Werte des Grundgesetzes verletzen. Sie sind es, die heute den Boden bereiten für die Gewalt von morgen. Die Terroranschläge von Norwegen haben auf dramatische Weise vor Augen geführt, in welche Richtung der islamfeindliche Wahnsinn führt. Das unfassbare Versagen unserer Sicherheitsbehörden vor dem Hintergrund des „NSU“-Terrors in unserem eigenen Land muss jetzt endlich dazu führen, dass auch diese Formen von Extremismus ernst genommen werden, und zwar bevor es zu spät ist und dann wieder im Nachhinein vertuscht und beschwichtigt werden muss, was jetzt versäumt wird.

Wir sind deshalb allen sehr dankbar, die sich jetzt gemeinsam mit uns für ein offenes und tolerantes München einsetzen. Dieses beeindruckende Spektrum so vieler engagierter Institutionen und quer durch alle demokratischen Parteien ist ein hoffnungsvolles Zeichen, auf das alle Münchnerinnen und Münchner stolz sein können!

München, 26.02.13