Islamische Akademie

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Eine Plattform für intellektuellen und wissenschaftlichen Austausch

Die Forderung nach einer Imamausbildung in Deutschland gehört zwar seit Jahren zu den zahlreichen bundesweiten Debatten, aber bislang wurde eine solch essentielle Aufgabe nicht wirklich aufgegriffen.

Dass das MFI dabei einen Stein ins Rollen gebracht hat – zumindest was das Land Bayern betrifft – ist kein Geheimnis.

In dem Maß, in dem die Rolle der Moscheen in der hiesigen Gesellschaft vielschichtiger geworden ist, ist auch das Aufgabenfeld der Imame gewachsen. Tatsache ist, dass in Deutschland zur Zeit weder staatliche noch von islamischen Organisationen getragene, anerkannte Ausbildungsstätten für Imame bestehen.
Es besteht ein enormes Bildungs- und Informationsdefizit in Bezug auf Islam. Die Gesellschaft und die Muslime selbst sind meist mit einem Zerrbild über den Islam konfrontiert.

Das Bild des Islams hier in Deutschland wird nach wie vor als vorwiegend “ausländisch” oder “fremd” geprägt wahrgenommen. Noch immer wird der Islam als ein Phänomen im Umfeld von Immigration verortet. Hartnäckige Vorurteile (“Fundamentalismus, heiliger Krieg, Terrorismus, Ehrenmorde”) stehen einer harmonischen und gedeihlichen Koexistenz zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen auf gemeinsamer Basis im Wege.

Gefragt ist hier fachkundiges Personal, Menschen mit spezifischer Ausbildung, die diese Fragen kompetent angehen und eine entsprechendes Bewusstwerdung sowohl innerhalb der muslimischen Gemeinschaft in Gang setzen als auch nach außen klärende Signale setzen.

Das bedeutet, dass die derzeitigen Träger und Vermittler religiösen Verständnisses, die Imame, die in den islamischen Gemeinden hohe Anerkennung genießen, vorrangig in den Diskurs mit einzubinden sind. In dem Maß, in dem die Rolle der Moscheen in der Diasporagesellschaft vielschichtiger geworden ist, ist auch das Aufgabenfeld der Imame gewachsen. Moscheen sind von einfachen Gebetshäusern zum funktionalen Mittelpunkt migrantenspezifischer Aufgaben gerückt. Imame wären der treibende Motor der Integration, doch lassen sie allzu oft die Grundanforderungen wie deutsche Sprachkenntnisse und fachliche Ausbildung vermissen.

Tatsache ist, dass zur Zeit in Deutschland weder staatliche noch von islamischen Organisationen getragene Ausbildungsstätten für Imame bestehen.

Der Bedarf von ca. 2500 Moscheegemeinden in Deutschland (in Bayern etwa 350) wird meist durch den Rückgriff auf Imame aus den Herkunftsländern gedeckt. Hier ist DITIB, die türkisch staatliche Dachorganisation, Vorreiter. Man schätzt die Zahl der hauptamtlichen Imame aus der Türkei auf 1500, der Rest der Gemeinden wird von ehrenamtlichen „Imamen“ begleitet, die von den Gemeinden selbst ernannt werden, häufig ohne entsprechende Qualifikation.

Imame aus dem Ausland verfügen kaum über ausreichende Sprach- und Kulturkompetenz und sind deshalb der Integration der Muslime in die deutsche Gesellschaft ebenso wenig förderlich, wie sie den Anforderungen der Gemeinden und ihrer Mitglieder vor allem in der zweiten und dritten Generation nicht gerecht werden.

MFI möchte auch hier ansetzen und eine Ausbildungsstätte für Imame und andere Mulitlpikatoren wie Religionspädagoginnen und Religionspädagogen, Seelsorgerinnen und Seelsorger und den funktionalen Gemeindevorstehern anbieten.

Eine Imamausbildung im Inland würde nicht nur eine wünschenswerte Dynamik in die Entwicklung einer Theologie des Islams in Europa bringen, sondern auch gleichzeitig auf das religiöse Leben der Muslime reagieren, insbesondere der heranwachsenden Generation, ihre Religion in den europäischen Kontext einbinden, und dem Bedürfnis der Mehrheitsgesellschaft nach Aufklärung und Integration durch kundige Muslime entgegenkommen.

Im Nachbarland Österreich werden seit 1998 an der deutschsprachigen IRPA (Islamische Religionspädagogische Akademie) in Wien muslimische Religionspädagoginnen und Religionspädagogen ausgebildet. Das Beispiel zeigt, dass eine relativ eigenständige Entwicklung von Inhalten und Formen in der Ausbildung gegenüber klassischer Bildung in der islamischen Welt möglich ist.

Die Islamische Fakultät in Sarajewo, Bosnien-Herzegowina, betreibt seit drei Jahrzehnten Bildungsarbeit für Muslime auf europäischem Boden.

Kürzlich eingerichtete Lehrstühle wie in Münster, Erlangen und Osnabrück für die Ausbildung von islamischen Religionslehrern, könnten Grundlagen für eine Imamausbildung vor Ort sein.

Islamische Theologische Akademie:

Langfristig soll ein in Deutschland einheitlicher, kulturell unabhängiger Lehrplan für einheiltliche Standards auf hohem wissenschaftlichen Niveau sorgen und politisch motivierte Religionsauslegung verhindern helfen.

Der Lehrplan wird dem bayerischen Bildungssystem angepasst, die Kooperation mit dem Kultusministerium und mit islamischen Einrichtungen bilden die Grundvoraussetzung für einen harmonischen Abschluss dieser bisher innovativen Form für Imamausbildung in Europa.

Angedacht ist eine akademische Ausbildung in Bachelor- und Masterstudiengängen für Studierende aus dem In- und Ausland. Europäische Austauschprogramme mit den Universitäten in der islamischen Welt sollen mit positiven Impulsen auch nach außen wirken und eine Brückenfunktion zwischen West und Ost übernehmen.

Getragen von fundiertem Verständnis für historisches und modernes Islamdenken, begleitet von Wissenschaftsprogrammen und einem facettenreichen Studienprogramm, soll der Lehrplan grundsätzlich in deutscher Sprache folgende Fächer für die theologische Ausbildung umfassen:

Koranexegese, Islamisches Recht, Islamische Geschichte, Islamische Kultur und Zivilisation (auch in der Neuzeit), Islamische Mystik, Menscherechte, Logik, Kommunikation und Verwaltung in Islamischen Einrichtungen…

Weitere verbindende Fächer sollen sein:

Rechtswissenschaften, Politik, Wirtschaft, Germanisitik, Anthropologie, Soziologie, Psychologie, Pädagogik, Religionswissenschaften der Weltreligionen, Geographie, Kunst, Musik, Deutsche Geschichte und Archäologie.

Von in Deutschland in deutscher Sprache ausgebildeten Imamen profitieren die Gemeinden dadurch, dass die Voraussetzungen für die Entwicklung eines modernen, westlichen Islam – eines Islam in Europa – geschaffen werden.

Der “Integrationsmotor” Imam wird seine in der Akademie erworbenen Kenntnisse für das Zusammenwachsen der Gesellschaft fruchtbar einsetzen können. Damit können gleichzeitig negative Begleiterscheinungen der Integration mit bekämpft werden.

Primäre Ausbildung:

Im Bewusstsein, dass diese Einrichtung nur in längerfristigen Schritten ins Leben gerufen werden kann, wird zunächst, bis zum Erreichen dieses Zieles, daran gedacht, bereits tätige Imame in Deutschland an die Modalitäten in praktischer und theoretischer Ausbildung heranzuführen. In Form von Fortbildungen und periodischen Seminaren sollen folgende Schwerpunkte angeboten werden:

  • Erwerb der deutschen Sprache und Erweiterung der kulturellen Kompetenz
  • Geschichte Deutschlands und Europas
  • Nationalsozialismus und Antisemitismus
  • Einführung in Demokratie, Säkularisation und Menschenrechte
  • Einführung in die Rolle der Imame in Europa – Herausforderungen & Chancen
  • Christentum, Judentum und andere Religionen und Glaubengemeinschaften – Dialoggespräche
  • Verwaltung und Führung von Moscheegemeinden
  • Pädagogik und Didaktik im Religionsunterricht in Moscheen
  • Bildung von Architekturgremien ausschließlich zur Beratung von neu zu erbauenden Gebetshäusern
  • Plattform vor allem für Akademiker, Lehrbeauftragte an den Universitäten, Studentinnen und Studenten und allen Interessierten bei Seminaren, Konferenzen, Symposien, Diskussionsveranstaltungen und Workshops in Zusammenarbeit mit ähnlichen Einrichtungen und Institutionen
  • Regelmäßige Presseerklärungen und Einbindung der Medien in den Prozess

Ziel ist die Erlangung eines einheitlichen Fachwissens auf der Basis der muslimischen Quellen und empirischer Pädagogik. Eine essentielle Grundvoraussetzung für einen gleichberechtigten Dialog ist der begleitende theologisch-fachwissenschaftliche, praktische und spirituelle Ansatz der Ausbildung.

Eine Imamausbildung ist ähnlich einer theologischen Ausbildung, wie wir sie hier zu Lande kennen. Sie beginnt mit der gängigen Grundausbildung und führt über die weiterführenden Schulen zum universitären Abschluss. Letztendliches Ziel unserer Intention ist es, die islamische Theologie an das deutsche Hochschulsystem anzubinden.

Bis zur Verwirklichung dieses Zieles möchte das MFI zielstrebig das Vertrauen zu Muslimen, zur Politik und zur Gesellschaft aufbauen und auch unter Beweis stellen. Indem wir uns vorstellen, den bereits tätigen Imamen und Seelsorgerinnen und Seelsorgern, sowie wichtigen Multiplikatoren in den muslimischen Einrichtungen, eine Art von Weiter- und Fortbildungsprogramm anzubieten in verschiedene Bereiche wie:

  • Kurse zum Erwerb der deutschen Sprache, Erweiterung der kulturellen und sozialen Kompetenz, Geschichte Deutschlands und Europas, Vertiefung in Demokratie und Menschenrechte, Die Rolle der Imame in Europa, Christentum und Judentum, Dialoggespräche und Exkursionen, Pädagogik und Didaktik im Religionsunterricht in Moscheen, Kommunikation und Verwaltung in Islamischen Einrichtungen.