Positionsbestimmung zur Standortfrage von ZIE-M

Bei unserem Projekt ZIE-M geht es bekanntlich nicht um ein neues Moscheebauprojekt in München, sondern um eine anspruchsvolle Initiative, die Musliminnen und Muslimen, die die Wertevorstellungen der deutschen Gesellschaft bejahen und verinnerlichen, den ihnen zustehenden, sichtbaren Platz im Gefüge der Stadtgesellschaft einräumen soll. Grundidee von ZIE-M ist die Überwindung von Isolation und Ausgrenzung, ist kein Nebeneinander sondern ein Miteinander. Die inhaltliche Ausrichtung von ZIE-M ist vielfach ausführlich dargestellt worden.

Deshalb müssen für mögliche Standorte für ZIE-M bestimmte Prämissen vorausgesetzt werden, die für die Umsetzung von ZIE-M unerlässliche Voraussetzung sind. Aus unserer Sicht sind dies:

    • eine Lage keinesfalls außerhalb des Mittleren Rings
    • eine gute Einbindung in urbane Infrastruktur und Erreichbarkeit für muslimische und nicht-muslimische Klientel – u.a. auch damit gewährleistet ist, dass die Betriebskosten durch gut frequentierte Geschäfte, Café u.dgl. getragen werden können
    • keine „Insellage“ in Gewerbegebieten o.dgl. ohne organische Kommunikation im stadtgesellschaftlichen Gefüge
    • aber auch keine evtl. als deplatziert empfundene Lage innerhalb reiner Wohngebiete
    • eine Bezogenheit auf die bestehenden Zentren der anderen großen Religionsgemeinschaften

Das (derzeit in den Medien diskutierte) Grundstück an der Herzog-Wilhelm-Straße wurde vom städtischen Planungsreferat als mögliche Option vorgeschlagen und aus verschiedenen Richtungen favorisiert. Es würde aus unserer Sicht alle genannten Prämissen erfüllen.

Hinzu kommt der hohe Symbolcharakter. Das sog. „Viereck der Religionen“ im Gefüge von kath. Frauenkirche, ev.-luth. Matthäuskirche, Jüdischem Zentrum am Jakobsplatz und ZIE-M würde zum einen den Grundgedanken von ZIE-M dauerhaft veranschaulichen. Zum anderen würde es das Selbstverständnis der modernen Stadtgesellschaft glaubwürdig darstellen und in die Wirklichkeit umsetzen. Münchens Bodenständigkeit und Zukunftsfähigkeit kämen in idealer Weise zum Ausdruck und könnten Leuchtturmfunktion für ein modernes Europa entwickeln.

Das Grundstück liegt (anders als es von islamfeindlicher Seite gern suggeriert wird), nicht am Karlsplatz/Stachus, sondern parallel zur Sonnenstraße, relativ versteckt hinter hohen und vergleichsweise unansehnlichen modernen Bauten, unweit von Schwanthaler und Landwehrstraße, also einer Gegend, die u.a. auch von arabischen Touristen gern genutzt wird. Gleichzeitig entspricht das derzeitige Erscheinungsbild des Platzes in keiner Weise seiner zentralen Lage innerhalb des Altstadtrings und kann nur als unwürdig empfunden werden. Bei entsprechend attraktiver und einladender Architektur (beides Vorgaben, die sich aus dem Selbstverständnis von ZIE-M ergeben) dürfte ZIE-M hier als Geschenk der Muslime an die gesamte Stadtgesellschaft gewertet werden und würde der Stadt eine weitere, viel besuchte Sehenswürdigkeit bescheren.

Diesen Vorzügen des Grundstücks steht als Nachteil die bestehende Zufahrtsrampe mit Anlieferbetrieb für das Stachus-Untergeschoss gegenüber. Wir verstehen und teilen die Sicherheitsbedenken, die sich, angesichts zunehmender Islamfeindlichkeit, aus einer Tiefgarage unmittelbar unter einem Islamischen Zentrum ergeben. Diese Bedenken sollten gemeinsam besprochen werden.

Wir lehnen aber Argumentationsmuster aus der Vergangenheit ab, wonach Religionszugehörigkeit als Ausgrenzungsmerkmal gelten soll. Muslime, die nun seit mehreren Generationen in München leben und sich zu ihrer Heimat bekennen, die durch ihre Arbeit und ihre Steuern zum Erhalt unserer Gesellschaft beitragen, in Neubaugebiete an die Peripherie zu zwingen, erscheint nicht nur uns im Deutschland des 21. Jahrhunderts unerträglich und widerspricht den Wertevorstellungen von Staat und Gesellschaft.

Der Münchner Stadtrat hat mit einstimmigem Beschluss aller Fraktionen vom 19.3.2010 die Stadt beauftragt, ZIE-M bei der Suche nach einem geeigneten Grundstück zu unterstützen. Wir haben immer betont, dass die Realisierung von ZIE-M nicht zwingend an das eine oder andere Grundstück gekoppelt sein kann (wobei die Prämissen für eine geeignetes Grundstück gewährleistet sein müssen), und nach unserem Kenntnisstand ist bisher keine Entscheidung der zuständigen Gremien über ein mögliches Grundstück getroffen worden. Für Verhandlungen mit potentiellen Sponsoren über ein tragfähiges Finanzierungskonzept sind aber zuverlässige Aussagen über die entstehenden Grundstückskosten unabdingbar. Deshalb sehen wir mit Bezug auf den Stadtratsbeschluss einer einvernehmlichen Verständigung zeitnah entgegen.

Vorstand

München am 14.02.13