Wegen der immensen Kosten erwägt Imam Benjamin Idriz, das ambitionierte Projekt Ziem etwas zu verschlanken

Münchner Merkur, 19.09.11

Das geplante Islam-Zentrum "Ziem" könnte kleiner ausfallen, als ursprünglich geplant. Der Initiator, Imam Benjamin Idriz, erwägt, das Projekt zu verschlanken, um die Kosten für das Vorhaben im Rahmen zu halten. Unserer Zeitung sagte Idriz, er könne sich vorstellen, auf eine theologische Ausbildung von Imamen und ein islamisches Museum am "Ziem" zu verzichten. Bei der Stadtspitze trifft dies auf Zustimmung.

Auf dem Weg zum Bau des "Zentrums für Islam in Europa – München" (Ziem) hat Idriz bereits eine Reihe von Problemen überwunden. Die politische Unterstützung von Stadtrat und Stadtspitze ist ihm sicher und auch der Streit mit dem Verfassungsschutz scheint ausgeräumt. Doch eine große Hürde hat Idriz noch zu nehmen: die Finanzierung.

Zwar ist der Penzberger Imam zuversichtlich, dass er mit Sponsoren aus den arabischen Emiraten rechnen kann. Erst kürzlich stellte er das Projekt namhaften Persönlichkeiten in Abu Dhabi vor – die Gespräche seien sehr vielversprechend verlaufen (wir berichteten). Doch Idriz räumt auch ein: Die potenziellen Sponsoren hätten ihm signalisiert, das Projekt sei etwas zu teuer. Rund 30 Millionen Euro soll das Zentrum nach bisheriger Planung kosten und aus mehreren Bausteinen bestehen: einer Moschee, einer Akademie zur Ausbildung von Imamen, einer Bibliothek, einem islamischen Museum und einem Gemeindezentrum. Nun stellt Idriz klar: Vielleicht müsse man etwas bescheidener denken, um das Projekt verwirklichen zu können. Und er scheut sich nicht davor, sich von einem Teil seines Traum zu verabschieden.

Die Ausbildung von Imamen, also muslimischen Geistlichen, in deutscher Sprache war einst die zentrale Idee des Ziem, als die Planungen für das Projekt vor Jahren begannen. Schließlich gab es seinerzeit in Deutschland kein solches Angebot. "Doch mittlerweile wird die Imam-Ausbildung an mehreren Universitäten eingeführt – auch etwa in Erlangen", sagt Idriz. Er könne sich daher vorstellen, am Ziem auf eine theologische Ausbildung für Imame zu verzichten. "Das können wir dem Staat überlassen." Idriz würde dann der Uni Erlangen eine Kooperation anbieten: Die angehenden Imame dort könnten eine praktische Ausbildungseinheit am Ziem absolvieren. "Hier könnten sie die konkreten Dinge lernen: Wie man als Imam eine Trauung abhält oder wie man eine Familie in einem Trauerfall begleitet."

Doch Idriz erwägt nicht nur, die muslimisch-theologische Ausbildung einzusparen. "Auch auf das Museum könnten wir verzichten." Auf die Art glaubt der Imam, die Kosten des Projekts um rund 30 Prozent senken zu können. Man müsse die Idee einer Akademie auch nicht komplett fallen lassen, so Idriz. Er will am Ziem durchaus ein Forum für theologisch-intellektuelle Diskussionen einrichten – ähnlich den katholischen und evangelischen Akademien. Gestern wollte Idriz seine Ideen dem Vorstand des Ziem-Vereins unterbreiten.

An der Stadtspitze kommen die Sparpläne gut an. Bürgermeister Hep Monatzeder(Grüne) hält sie für vernünftig. "Man muss ja nicht auf der Luxusvariante bestehen." Denkbar sei es auch, das Projekt in Etappen zu verwirklichen. Auch Monatzeder gab sich zuversichtlich, was die Realisierung angeht. Das letzte Gespräch mit Imam Idriz hätte ergeben, dass das Projekt eine "sehr gute Zukunftsperspektive" habe. Ende des Jahres will Monatzeder sogar persönlich Gespräche mit potenziellen Geldgebern führen. Wahrscheinlich werde er dafür in die arabischen Emirate reisen, sagte der Bürgermeister.

Auch in der Frage des geeigneten Grundstücks für das Moscheeprojekt, scheinen sich Idriz und Monatzeder einig. Neben dem Standort an der Herzog-Wilhelm-Straße (wir berichteten) zeigen beide deutliche Sympathien für ein

Areal im Karree zwischen Dachauer-, Heß- und Schwere-Reiter-Straße. "Sollten wir für diesen Ort die Unterstützung der Fraktionen bekommen, wären wir dafür sehr offen", sagte Idriz. Auch Monatzeder zählt dieses Areal zu seinen Favoriten. Wichtig sei, dass man einen zentralen Ort wähle. "Wie notwendig das ist, hat sich kürzlich beim Friedenstreffen wieder gezeigt. "Während der Veranstaltung seien die Christen zum Beten in die Kirchen, die Juden in die Synagoge gegangen. "Nur die Muslime mussten ihr Gebet in einer Turnhalle abhalten."

Johannes Patzig

Quelle: http://www.merkur-online.de/lokales/stadt-muenchen/moschee-plaene-sollen-abgespeckt-werden-1409874.html

OB Christian Ude verteidigt Imam Idriz: "Vage Erkenntnisse"

Süddeutsche Zeitung, 10.05.10

Am Donnerstag hat das Bayerische Verwaltungsgericht in einem Beschluss festgestellt, dass der bayerische Verfassungsschutzbericht die Islamische Gemeinde Penzberg wegen Kontakten zu der als verfassungsfeindlich eingestuften islamischen Bewegungen Milli Görüs (IGMG) und Islamische Gemeinschaft in Deutschland (IGD) zu Recht erwähnt.

Das Gericht stützt sich unter anderem auf die Protokolle abgehörter Telefonate zwischen dem Penzberger Imam Benjamin Idriz und dem IGD-Präsidenten Ibrahim El-Zayat. Für München könnte der Beschluss schwerwiegende Folgen haben: Penzbergs Imam Idriz ist der Initiator des geplanten "Zentrums für Islam in Europa" (Ziem), das in der Stadt gebaut werden soll. Nach dem vorläufigen Scheitern des Moscheebaus am Gotzinger Platz gerät damit nun auch das prestigeträchtige Nachfolgeprojekt in Schwierigkeiten.

SZ: Herr Ude, Ihr Partner für das geplante Islamische Zentrum in München (Ziem) ist ins Zwielicht geraten. Setzen Sie auf die falschen Leute? Christian Ude: Das Gericht hat ja nicht entschieden, dass der Betreiber, Herr Idriz aus Penzberg, verfassungswidrige Ziele verfolgt. Es hat festgestellt, dass es Kontakte von ihm zu Milli Görüs gab.

SZ: Und zur Islamischen Gemeinde in Deutschland, die den Muslimbrüdern nahesteht…
Ude: Ganz sicher müssen wir den Beschluss des Gerichtes sehr ernst nehmen. Ich möchte aber erst einmal dessen schriftliche Begründung sehen, um ihn genau bewerten zu können. Sicher ist für mich nur eines: Was ich bis jetzt über die Kontakte von Herrn Idriz weiß, reicht überhaupt nicht aus, um gleich das ganze Projekt für erledigt zu erklären. Jetzt sollte Herr Idriz Gelegenheit haben, sich dazu zu äußern. Wir warten einmal ab, ob es nicht noch ein obergerichtliches Urteil geben wird.

SZ: Was folgern Sie also aus dem Beschluss?
Ude: Dass es unverantwortlich wäre, auf Basis der jetzigen Erkenntnisse den Stab über jemand zu brechen, nur weil er Kontakt zu fragwürdigen Personen hatte. Dadurch wird niemand automatisch selbst zum Verfassungsfeind. Wir müssen auch einmal die Natur dieser Kontakte betrachten. Es ist ja bezeichnend, dass islamische Gemeinde Penzberg die Abhörprotokolle selbst ins Netz gestellt hat, damit sich jedermann ein Bild davon machen kann. So verhält sich schwerlich jemand, der etwas zu verbergen hat.

SZ: Trotzdem sind die Kontakte mit Milli Görüs doch eine Tatsache.
Ude: Ohne Zweifel. Nach dieser Logik wäre ich, zugespitzt gesagt, auch ein Verfassungsfeind.

SZ: Warum das?
Ude: Ich habe als Sozialdemokrat in bewegten Jahren mit radikalen Linken in München gestritten, deren Verhältnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung nicht über jeden Zweifel erhaben war. Herr Idriz jedenfalls bringt in den abgehörten Telefonaten ganz andere Auffassungen vor als sein Gesprächspartner. Und ihm wird doch gerade vorgehalten, dass er Milli Görüs vorwirft, verfassungsfeindliche Ziele zu haben. Man droht sogar, ihn nicht zu unterstützen. Er fragt in dem Gespräch doch nur, wie man nun mit den unterschiedlichen Auffassungen umgehen solle.

SZ: Er wird in Gesprächen zwischen dem Milli-Görüs-Generalsekretär und anderen sogar als "Idiot" und "Schwachkopf" bezeichnet.
Ude: Weil ihnen seine Auffassung nicht gefällt. Ich habe diesen Protokollen des Verfassungsschutzes dagegen nichts entnommen, was jetzt die Tür zur Verwirklichung des Ziem-Projektes zuschlagen würde. Wir wollen die Muslime doch gerade aus den Hinterhöfen und obskuren Zirkeln herausholen. Nur nebenbei: Ich habe Herrn Idriz kennengelernt, als er in Anwesenheit des US-Botschafters Ehrengast des amerikanischen Generalkonsuls zum Fastenbrechen war. Das legt die Annahme nicht gerade nahe, dass es Erkenntnisse der Geheimdienste über extremistische Haltungen dieses Ehrengastes gibt.

SZ: Sie halten Bayerns Verfassungsschützer also für übereifrig?
Ude: Sagen wir es so: Es gibt Hinweise auf eine extrem kritische Einstellung des Landesamtes für Verfassungsschutz gegenüber Herrn Idriz. Ich selbst habe übrigens mehrfach bei dieser Behörde nachgefragt, ob es Erkenntnisse über Verbindungen der Penzberger zu Extremisten gebe. Leider waren die Antworten sehr vage. Man wirft ihm ja sogar vor, dass er für den Islam wirbt. Nach dieser Logik müsste ja auch die christliche Mission unter Extremismusverdacht stehen, immerhin hat sie jahrhundertelang auf diversen Erdteilen für ihren Glauben geworben. Ich halte es für sehr bedenklich, wenn man schon jedes aktive Eintreten für den Islam als gefährlich betrachtet. Gefährlich sind die Extremisten.

SZ: Was erwarten Sie nun von Herrn Idriz?
Ude: Wir müssen zum Beispiel ganz genau wissen, wer die Geldgeber des Projektes sind. Hinweise wie, da seien reiche Scheichs dabei, reichen natürlich nicht. Und wir werden genau über das Konzept des Zentrums reden. Insgesamt ist es sehr schwer, mit den Muslimen ins Gespräch zu kommen, schon weil es keine zentralen Organisationen gibt. Deshalb haben ich die Zusammenarbeit mit Herrn Idriz immer als besonders glückliche Konstellation empfunden.

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/muenchen/630/510746/text/

Islam-Zentrum: Eine Historische Idee

München – Nach dem Gerichtsurteil gegen die Penzberger Muslime steht der Plan für das Islam-Zentrum "Ziem" in München auf der Kippe. Dabei könnte das Projekt Geschichte machen.

Ein solches Projekt hat es in Deutschland noch nie gegeben: "Ziem" – das "Zentrum für Islam in Europa München". Kein anderes muslimisches Vorhaben hat bei der Stadtpolitik so große Hoffnungen geweckt. Alle Fraktionen im Stadtrat sprachen sich zuletzt dafür aus und Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) lobte die Idee. Doch der Verfassungsschutz hat die Initiatoren weiter im Visier. Zeit zu beleuchten, was sich hinter "Ziem" verbirgt. Die Idee

Das Islam-Zentrum soll auf rund 6000 Quadratmetern innerhalb des Mittleren Rings entstehen. Die Initiatoren wollen nach eigener Aussage einem europäischen Islam ein Zuhause zu geben – einem Islam der uneingeschränkt mit den Werten der deutschen Gesellschaft im Einklang steht. Muslime sollen nicht länger versteckt in Hinterhöfen beten, sondern eine sichtbare Adresse erhalten. Einen konkreten Zeitplan oder Ort für den Bau gibt es bislang nicht. Wer steht dahinter?

Die Mitglieder des Ziem-Vereins sind vorwiegend Muslime, es sind jedoch auch Nicht-Muslime darunter. Vorsitzender ist der Penzberger Imam Benjamin Idriz. Der gebürtige Mazedonier hat an mehreren Universitäten im Ausland studiert. Er spricht Deutsch, Türkisch, Albanisch, Arabisch, Bosnisch und Mazedonisch. Sein Stellvertreter ist Dr. Stefan Jakob Wimmer, Dozent an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU). Zweite Vize-Vorsitzende ist Gönul Yerli, ebenfalls aus der Islamischen Gemeinde Penzberg. Islamische Akademie

Herzstück des Zentrums soll eine Islam-Akademie werden, an der muslimische Geistliche – Imame – und islamische Religionslehrer ausgebildet werden. Die Ausbildung soll auf Deutsch erfolgen. Damit wollen die Initiatoren ein lange bekanntes Problem angehen. Viele Imame, die Moscheen hierzulande vorstehen, werden aus anderen Ländern "importiert" – vorwiegend aus der Türkei. Oft sprechen sie kein Deutsch und es fehlt ihnen an Verständnis für die deutsche Gesellschaft. Auch der Wissenschaftsrat empfahl daher die Einrichtung von Zentren für Islamische Theologie an Hochschulen. Die Ziem-Planer würden ihr Zentrum nach eigener Aussage gern in Kooperation mit der LMU betreiben und Lehrpläne mit dem Freistaat abstimmen. Moschee

Neben der Akademie soll Ziem auch eine Moschee für 600 Gläubige erhalten. Freitagsgebete würden dort nach Auskunft der Planer grundsätzlich in Deutsch gehalten, daneben sollten aber auch die jeweiligen Herkunftssprachen wie Türkisch, Arabisch, Bosnisch, ihren Platz bekommen. Weitere Bausteine

Ziem soll ein Gemeindezentrum erhalten, in dem Kultur und soziale Arbeit Platz finden. Hier wollen die Planer etwa Hilfen in Ehe und Familie bieten. So sei es Ziel, muslimische Frauen "in ihrer Selbstbestimmung zu unterstützen und entschieden gegen ihre Unterdrückung einzutreten", heißt es auf www.zie-m.de. Auch ein Alten- und Servicezentrum ist geplant. Zudem soll es eine Bibliothek und ein islamisches Museum geben. Der Streit

Der Verfassungsschutz erhebt Vorwürfe gegen die Ziem-Planer aus Penzberg. Er beschuldigt sie, Kontakte zu Islamisten zu pflegen (siehe Interview). Der Vorwurf ist jedoch umstritten – auch einige CSU-Politiker hatten den Muslimen stets den Rücken gestärkt. Die Muslime versuchten, gerichtlich gegen die Vorwürfe vorzugehen, erlitten aber eine Niederlage: Ein Gericht erklärte die Vorwürfe für berechtigt. Der Rechtsstreit geht aber weiter: Nun wollen die Muslime auch in höhere Instanzen gehen.

Johannes Patzig

Quelle: http://www.merkur-online.de/lokales/nachrichten/islam-zentrum-alles-soll-ziem-entstehen-754333.html

Die Muslime wehren sich

München – Die Penzberger Muslime geben nicht auf: Sie wollen weiter für ihren Ruf und das geplante Islam-Zentrum in München kämpfen – auch nachdem ein Gericht die Islamismus-Vorwürfe gegen die Muslime bestätigte.

Es war sicher kein Zufall, dass sich die Spitzen der Islamischen Gemeinde Penzberg gerade die "Hundskugel" für ihre Pressekonferenz aussuchten. Im urigsten und ältesten Wirtshaus Münchens stellten sich die Muslime den Fragen zu ihrer Niederlage vor Gericht. Das ist ihre Art zu sagen: "Wir gehören dazu. Wir akzeptieren eure Kultur und Werte."

Genau das wollen und müssen die Muslime beweisen. Denn der Penzberger Imam Benjamin Idriz will in München ein "Zentrum für Islam in Europa" (Ziem) mit Moschee errichten. Dort sollen muslimische Imame auf Deutsch ausgebildet werden. Laut Idriz sollen die Lehrpläne in Kooperation mit dem Freistaat und in Einklang mit dem Grundgesetz entwickelt werden.

Doch diese Vision ist durch einen Gerichtsbeschluss in Gefahr geraten. Wie berichtet, erhebt der Verfassungsschutz in seinen Berichten seit 2007 Islamismus-Vorwürfe gegen die Muslime. Die wollten dagegen eine einstweilige Anordnung erwirken, mussten aber eine Niederlage hinnehmen. Das Verwaltungsgericht entschied: Die Nennung der Muslime im Verfassungsschutzbericht war rechtens.

Doch die Muslime sind weiter entschlossen, für ihren Ruf zu kämpfen. Auch vor Gericht. "Wir werden jetzt Hauptsache-Klage erheben", kündigte ihr Anwalt Hildebrecht Braun an. Ziel sei erneut die Streichung der Gemeinde aus dem Bericht. Das bedeutet: Es wird einen Prozess gegen den Verfassungsschutz mit öffentlicher Verhandlung geben. Und die Muslime lassen keinen Zweifel daran, dass sie auch in höhere Instanzen gehen würden – wohl bis vors Bundesverfassungsgericht. "Hier geht es um das Grundrecht der Religionsfreiheit", so Anwalt Braun. Der frühere FDP-Bundestagsabgeordnete vertritt die Muslime – ohne Geld zu verlangen.

Leicht wird das nicht für ihn, denn die Münchner Richter schlossen sich der Bewertung der Verfassungsschützer voll an. Demnach bestünden enge Verbindungen zwischen Penzberger Muslimen und der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG). Zudem stehe Idriz in einem Unterordnungsverhältnis zur Islamischen Gemeinschaft in Deutschland (IGD). Verfassungsschützer stufen beide Verbände als extremistisch ein. Die Vorwürfe gegen die Penzberger stützen sie insbesondere auf Protokolle abgehörter Telfonate, etwa zwischen Idriz und dem früheren IGD-Chef El-Zayat.

Die Interpretation dieser Telefonate ist jedoch umstritten. So hält Josef Schmid, Chef der Rathaus-CSU, die Gespräche nicht für belastend. Vor dem Urteil hatten alle Fraktionen im Stadtrat den Penzbergern den Rücken gestärkt.

Auch Idriz betont: Seine Gemeinde sei unabhängig von IGD und IGMG. Vereinzelte Kontakte bestreitet er aber nicht. Das lasse sich in der islamischen Welt eben gar nicht vermeiden, so Anwalt Braun. Auch der etablierte islamische Verband Ditib habe erst kürzlich eine Veranstaltung mit Milli Görüs durchgeführt, sagte Idriz. Zudem sei 2009 sogar der Integrationsbeauftragte der Staatsregierung, Martin Neumeyer, bei Milli Görüs als Redner aufgetreten. Braun betonte, die Penzberger Muslime würden vorbildliche Integrationsarbeit leisten. "Sie vermitteln jungen Muslimen Werte unserer Verfassung, wie Toleranz und Demokratie. Das ist vorbeugender Verfassungsschutz – im besten Sinne."

Johannes Patzig

Lesen Sie dazu einen Kommentar von Johannes Patzig: Islam-Zentrum darf nicht sterben!

Schon lange existiert der Verdacht, einige Planer des Islam-Zentrums "Ziem" in München würden Kontakte zu Islamisten pflegen. Nun wurde er durch ein Gerichtsurteil noch erhärtet. Sollte man die Pläne für das Islam-Zentrum also begraben? Auf gar keinen Fall!

Dafür ist diese Vision viel zu wichtig für die Stadt, ja für Deutschland. Das Konzept, das die Initiatoren vorlegt haben, bietet die einmalige Chance, einer neuen Art von Islam eine Heimat in München zu geben. Einem Islam, der sich in deutscher Sprache ausdrückt, der sich zu den Werten unserer Verfassung bekennt und sich nicht im Widerspruch zur modernen westlichen Gesellschaft sieht. So ein Projekt wäre effektiver Verfassungsschutz.

Wenn die Staatsregierung den Muslimen misstraut, muss sie Kontrolle ausüben. Sie muss über Lehrpläne und Personal mitbestimmen und wachsam bleiben, wer ein- und ausgeht. Kein Islam-Zentrum ist aber keine Lösung. Nicht auszudenken, wenn nach dem Debakel in Sendling noch ein Moschee-Projekt scheitert! Dann besteht erst recht die Gefahr der Radikalisierung in Hinterhöfen.

Quelle: http://www.merkur-online.de/lokales/nachrichten/muslime-wehren-sich-752020.html

Penzberger Imam: "Ich bin doch kein trojanisches Pferd"

Der Penzberger Imam – ein verkappter Islamist? Das Verwaltungsgericht wirft Benjamin Idriz Islamismus vor. Dieser ist geschockt.

Am Mittwochvormittag saß Benjamin Idriz, der Imam von Penzberg, gerade an den letzten Zeilen eines Artikels; er handelt davon, wie Muslime der Gefahr des Islamismus begegnen sollen. Da kam der Anruf seines Anwalts Hildebrecht Braun. Es war ein lange erwarteter Anruf.

Am 9. Mai 2009, fast ein Jahr ist das nun her, hatte Braun beim Bayerischen Verwaltungsgericht in München ein "Eilverfahren" angestrengt; es sollte erwirken, dass die islamische Gemeinde Penzberg aus dem bayerischen Verfassungsschutzbericht 2008 gestrichen wird.

Endlich war der Beschluss da. "Wir waren überzeugt, dass es in unserem Sinne ausfällt, wir hatten die Hoffnung in unserer Seele", sagt Idriz jetzt. Die Hoffnung aber blieb unerfüllt. Viel schlimmer: Idriz steht nun als einer da, der zwar offiziell für einen weltoffenen und toleranten Islam eintritt, in Wahrheit aber der türkischen "Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs" (IGMG) und den Muslimbrüdern nahe steht, die der Verfassungsschutz für verfassungsfeindlich hält.

Man kann es auch so sagen: Das Gericht geht davon aus, dass Idriz die Öffentlichkeit belügt. Und zu Recht im Verfassungsschutzbericht steht.

der Richterspruch Bestand hat, ist es vernichtend für den jungen Imam aus Mazedonien, den viele – bis weit in die CSU hinein – für einen Hoffnungsträger halten.Für einen, der demokratische Gesinnung und Frömmigkeit verbindet, der für einen aufgeklärten, europäischen Islam steht: Noch am Mittwochabend saß Idriz als hoch geehrter Gast in der evangelischen Akademie Tutzing in der ersten Reihe, als dort Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble für die Einrichtung der Islamkonferenz den Toleranzpreis der Akademie erhielt.

Entsprechend getroffen reagiert Idriz am Tag nach der Entscheidung. Er hat die Journalisten in Münchens älteste Gaststätte geladen, die Hundskugel. Er spricht von einem "politischen Urteil", ist so verletzt, dass sein Anwalt ihn bremsen muss.

Mehr als 600 Anlagen und Dokumente habe man dem Gericht übergeben, mehr als 75 Seiten Stellungnahmen erarbeitet. Doch das Gericht habe diese Argumente "fast völlig ignoriert", klagt er. Stattdessen habe es teilweise wörtlich die Äußerungen des Verfassungsschutzes übernommen. Das Gericht, sagt Idriz, "verliert damit seine Neutralität".

Anwalt Braun wirft dem Verfassungsschutz vor, die Gemeinde mit einem "unfriendly fire" zu beschießen. "Die wissen seit 16 Jahren, dass die in Penzberg sich gegen Gewalt und gegen Intoleranz einsetzen. Innenminister Joachim Herrmann müsste ihnen eigentlich täglich Blumen schicken."

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/muenchen/420/510539/text/

Ein Schock für Muslime

Nach der Niederlage vor Gericht: Die Islamische Gemeinde Penzberg bleibt weiter im Verfassungsschutzbericht stehen. Imam Idriz ist geschockt. Jetzt wollen die Penzberger weiter klagen.

MÜNCHEN  –  Der Beschluss des Verwaltungsgerichts München hat den Penzberger Imam Benjamin Idriz nach eigenen Angaben "sehr überrascht". Seit Mittwoch ist klar: Die Islamische Gemeinde Penzberg (IGP) ist mit ihrer Unterlassungsklage gegen den Verfassungsschutzbericht 2008 gescheitert (AZ berichtete). Ihre Erwähnung in dem Dokument ist rechtens. "Mitglieder und Muslime in Penzberg sind erschüttert von der Nachricht", sagt der Imam zur AZ. Und auch Muslime in München seien geschockt.

Den Gerichts-Beschluss will die IGP so nicht stehen lassen. Sie wird "Hauptsacheklage" erheben. In seitenlangen Argumentationen widerspricht sie dem Vorwurf, eine Nähe zu Islamisten zu haben. Detailliert bezieht sie zu Einzelpunkten Stellung (www.islam-penzberg.de). "Wer Freund und Feind bewusst verwechselt, macht einen gravierenden Fehler, der im Fall Penzberg für Bayern besonders großen Schaden anrichtet."

Das Gericht gab an, das umfangreiche Material eingehend gewürdigt zu haben – insbesondere die aufgezeichneten Telefongespräche. "Die Islamische Gemeinde Penzberg weist höchst problematische Verbindungen zu extremistischen, verfassungsfeindlichen Organisationen wie Milli Görüs auf", konstatierte Innenminister Joachim Herrmann nach dem Beschluss nochmal. Der Streit geht also in die nächste Runde.

Was wird nun aus "Zie-m"– der Moschee samt Imam-Akademie, die Idriz in München bauen will? "Wir machen mit unverminderter Kraft weiter", sagt der Imam. Jetzt will er die Stadtspitze treffen, um einen "gemeinsamen Weg" zu finden. "Es geht um eine gemeinsame Zukunft in diesem Land, wo wir friedlich miteinander leben wollen."

Quelle: http://www.abendzeitung.de/muenchen/183996

Das Verwaltungsgericht wirft den Penzberger Muslimen Islamismus vor. Entsteht nun doch kein "Zentrum für Islam in Europa – München"?

Die Entscheidung des Münchner Verwaltungsgerichts im Streit um die Islamische Gemeinde Penzberg und ihren Imam Benjamin Idriz trifft die Fraktionen im Münchner Rathaus wie ein Schlag.

SPD, CSU, Grüne und FDP hatten sich vor wenigen Wochen noch einhellig für das von Idriz initiierte "Zentrum für Islam in Europa – München" (Ziem) ausgesprochen. In zentraler Lage sollte in München eine unter staatliche Obhut gestellte Ausbildungsakademie für Imame samt großer Moschee entstehen.

Ratlosigkeit im Rathaus

Die Islamismus-Vorwürfe im neuen Verfassungsschutzbericht gegen die Penzberger Muslime versetzten diesen Plänen bereits einen Dämpfer. Nun aber herrscht im Münchner Rathaus Ratlosigkeit nach dem vernichtenden Richterspruch, die SPD geht bereits auf Distanz zu Idriz und seinen Mitstreitern.

Vorsichtig ist man bei der SPD geworden, die sich mit ihrem grünen Koalitionspartner schon bei den gescheiterten Plänen für eine Moschee am Gotzinger Platz politisch die Finger verbrannt hat.

Und man ist irritiert: "Einerseits wirbt Idriz für einen transparenten Islam, andererseits gibt es diese Verdächtigungen", stellt Fraktionschef Alexander Reissl fest. Ein Gerichtsbeschluss habe eine andere Qualität als Einschätzungen des Verfassungsschutzes.

Wie die anderen Fraktionen auch, will sich die SPD die richterliche Begründung besorgen und die Fakten prüfen. Zwar betont Reissl, dass er ein Projekt wie das Ziem "nach wie vor für sinnvoll" halte, spricht aber auch von "vorsichtiger Distanzierung" von Idriz. "Er macht in Gesprächen einen vernünftigen Eindruck, das zählt aber letztlich nicht", so Reissl.

Kein Kommentar von der CSU

Die Stadtrats-CSU will sich bis auf weiteres nicht mehr zu dem Thema äußern. "Kein Kommentar, bis wir die Begründung kennen", heißt es am Donnerstag in der Fraktion. Deren Chef Josef Schmid ist verreist und nicht zu sprechen.

Er hatte sich nach der Vorlage des Verfassungsschutzberichts Ende März noch schützend vor die Islamische Gemeinde Penzberg gestellt. Zuvor hatte der Jurist die Protokolle der Verfassungsschützer zur Telefonüberwachung von Benjamin Idriz und anderer Gemeindemitglieder gelesen und die Vorwürfe als "konstruiert" bezeichnet.

FDP-Fraktionsvorsitzender Michael Mattar hat mit so einer Entscheidung "nicht gerechnet". Er will nun mit seinem Parteifreund Hildebrecht Braun – der frühere Bundestagsabgeordnete vertritt die Islamische Gemeinde als Anwalt – über den Beschluss sprechen.

"An den Haaren herbeigezogen"Vor allem müsse geklärt werden, so Mattar, in welchem Verhältnis Idriz zur extremistischen Muslimbruderschaft stehe. Die Pläne für das Ziem sieht der FDP-Stadtrat noch nicht am Ende. Die Entscheidung des Gerichts sei ja nicht einmal rechtskräftig, und die Idee für ein europäisches Islam-Zentrum nach wie vor vernünftig. "So etwas wollen wir, daran gibt es keinen Zweifel", sagt Mattar.

Viele Fragen offen – so fasst Grünen-Stadträtin Gülseren Demirel die Lage zusammen. Auch vom Verwaltungsgericht will sie etwas wissen: Weshalb hat das Gericht in einem Eilverfahren elf Monate bis zu einer Entscheidung gebraucht? Jedenfalls lange genug, bis der neue Verfassungsschutzbericht erscheinen konnte.

Demirel kennt die Abhörprotokolle der Verfassungsschützer und bezeichnet deren Schlussfolgerungen als "an den Haaren herbeigezogen". An ihrer Einschätzung über das Ziem-Projekt habe sich nichts geändert, so Demirel, "wir werden es weiter unterstützen".

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/muenchen/385/510504/text/

Regionalbischöfin für ZIE-M

07.04.2010 merkur-online.de

Die Landeskirche und werde Imam Benjamin Idriz bei der Planung des Zentrums für Islam in Europa (ZIEM) unterstützen, erklärte die Regionalbischöfin.

Die Theologin war am Mittwochnachmittag auf Einladung der islamischen Gemeinde nach Penzberg gekommen. Begleitet wurde die Oberkirchenrätin von der Stadtdekanin in München, Barbara Kittelberger. Die Landeskirche "begrüßt Ihre offene und einladende Art" und werde Imam Benjamin Idriz bei der Planung des Zentrums für Islam in Europa (ZIEM) unterstützen, erklärte die Regionalbischöfin. Die Landeskirche hält nach den Worten der Theologin eine Ausbildung der Imame an Hochschulen für am sinnvollsten. So lange dies aber nicht gelinge, werde die Landeskirche das ZIEM unterstützen. "Wir werden uns da auch nicht irre machen lassen", fügte sie mit Blick auf die Anschuldigungen gegen die islamische Gemeinde Penzberg im Verfassungsschutzbericht an. Zum Auftreten der Pax-Europa-Gruppe am vergangenen Karfreitag in Penzberg sagte sie, diese Organisation verfolge nicht die Ziele der Integration, "sondern sie will Feindseligkeit streuen". Man stabilisiere die Werte des Christentums nicht durch Abgrenzung, sagte Susanne Breit-Keßler. Abgrenzung sei eine Position der Schwäche. Vergangene Woche erst war Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) zu Gast bei der islamischen Gemeinde in Penzberg. Sie stärkte damals der Gemeinde den Rücken und sicherte politische Unterstützung zu.

Quelle: http://www.merkur-online.de/lokales/nachrichten/regionalbischoefin-besucht-penzberger-moschee-705169.html

 

CSU-Fraktionschef Schmid: „Islam-Zentrum ist historische Chance“

06.04.2010 merkur-online.de

München – Die Islamismus-Vorwürfe von CSU-Innenminister Joachim Herrmann und seinen Verfassungsschützern gegen die Penzberger Muslime stoßen vielerorts auf Unverständnis – auch in der CSU.

Vor allem der Münchner Fraktionschef Josef Schmid stärkt den Muslimen den Rücken. Bemerkenswert – für einen Mann, dem Gegner früher schon mal vorwarfen, am rechten Rand zu fischen. Wir sprachen mit ihm über das Projekt des Penzberger Imams Benjamin Idriz: ein „Zentrum für Islam in Europa – München“ (Ziem), das eine Moschee und eine Schule zur Ausbildung islamischer Geistlicher umfassen soll.

Mal ehrlich: Wie viel Mut hat es Sie gekostet, sich gegen den CSU-Innenminister zu stellen?

Ich stelle mich nicht gegen den Innenminister. Herr Herrmann hat ja betont, dass in der Islamischen Gemeinde Penzberg auch vieles gut läuft – und dass das Konzept für das Projekt „Ziem“ an sich tadellos ist. Was die Erkenntnisse des Verfassungsschutzes angeht, komme ich aber zu einer anderen Bewertung als der Minister.

Sie sind einer der größten Befürworter von Ziem.

Ja, denn es stellt eine historische Chance dar. Wir sind in der Geschichte der Zuwanderung an einem Punkt angelangt, an dem klar ist, dass die Kinder der Gastarbeiter hier bleiben – und zu Recht auch ihre Religion angemessen ausüben wollen. Die Zeit ist reif für ein solches Projekt – und ich habe noch keine Initiative erlebt, die sich so klar zu unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung bekennt wie das Ziem-Projekt. Es wäre auch ein Fingerzeig an den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan, die Freiheit der christlichen Kirche in der Türkei herzustellen.

Erdogan machte zuletzt mit seinem Vorschlag für türkische Schulen und Universitäten in Deutschland Schlagzeilen…

So sehr ich diesen Vorschlag als integrationsfeindlich ablehne, so sehr befürworte ich, dass wir islamische Geistliche in deutscher Sprache und unter staatlicher Kontrolle ausbilden. Dafür steht Ziem.

Wie schwierig war es, die CSU-Fraktion in dieser Sache hinter sich zu einen?

Die Fraktion hat sich einstimmig für Ziem ausgesprochen – unter der Bedingung, dass nicht neue Tatsachen durch den Verfassungsschutz ans Licht kommen. Der neue Verfassungsschutzbericht enthält aber keine neuen Tatsachen – nur Bewertungen. Und die gehen – bei allem Respekt vor der Arbeit der Verfassungsschützer – an der Sache vorbei. Ich kenne die Protokolle der abgehörten Telefonate, auf die sich die Vorwürfe stützen. Sie belasten die Muslime meiner Meinung nach aber nicht. Funktionäre der Penzberger Muslime haben mit Ibrahim El-Zayat telefoniert, den die Behörden des Islamismus verdächtigen. Ja, aber ich kann in den Gesprächen kein Indiz für eine Steuerung oder Einflussnahme durch El-Zayat erkennen. In einem Telefonat hat El-Zayat den Penzberger Imam Idriz beschimpft, der Imam fuhr aber schon am nächsten Tag mit seinem integrationsfreundlichen Kurs fort. In einem anderen Telefonat will der Penzberger Gemeindevorsitzende Yerli nur erreichen, dass man ihm endlich bestätigt, dass er schon lange bei der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs ausgetreten ist. Ich finde, die Gespräche zeigen, dass eine Steuerung der Penzberger eben gerade nicht stattfindet.

Wie intensiv haben Sie sich mit dem Thema befasst?

Ich habe die Islamische Gemeinde Penzberg zweimal besucht und war auch gemeinsam mit Imam Idriz auf einer Reise von Landtagsabgeordneten und Stadträten nach Sarajewo. Wir hatten auch mehrere städtische Veranstaltungen mit dem Imam im Rathaus. Ich habe mich zudem mit dem Innenminister zum Gespräch über die Gemeinde getroffen und zweimal mit dem Abteilungsleiter Verfassungsschutz. Ich habe mir meine Meinung also nach gründlicher Prüfung gebildet.

Welche Eindrücke haben Sie aus der Moschee in Penzberg mitgenommen?

Schon die Architektur ist bemerkenswert. Hier wurde nicht einfach ein Stil aus der islamischen Welt kopiert, sondern ein Baustil gewählt, der sofort zeigt: Dies ist das Gotteshaus von deutschen Muslimen. Zudem ist die ganze Arbeit der Gemeinde auf Offenheit, Transparenz und Integration ausgelegt.

Ihre Unterstützung hat viele überrascht – Sie waren ja gegen die Sendlinger Moschee…

Ich sehe die Integrationsfrage eben differenziert. Das Projekt am Gotzinger Platz war und bleibt integrationsschädigend, weil es per „Order di Mufti“ gegen die Menschen im Viertel durchgesetzt werden sollte. Ziem hingegen ist integrationsförderlich.

Im letzten Bürgermeister-Wahlkampf sind Sie von Ihren Gegnern teils in die extrem rechte Ecke gestellt worden…

Das war übelste Wahlkampftaktik. Diejenigen, die mich damals als Rechtsaußen abstempeln wollten, haben von den Sachfragen der Integration keine Ahnung – ebensowenig wie diejenigen, die mich jetzt wegen des Ziem-Projekts als links abstempeln. Interview: Johannes Patzig

Quelle: http://www.merkur-online.de/lokales/nachrichten/schmid-islam-zentrum-historische-chance-702390.html

 

Bundesjustizministerin für ZIE-M

31.03.2010 merkur-online.de

Zu dem in München geplanten Zentrum für Islam in Europa sagte Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger, dies sei "ein interessantes Projekt mit vielen Facetten". Sie wertete die Initiative als positiv.

Als Zufall bezeichnete es Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, dass der Besuch just an jenem Tag stattfindet, an dem auch der neue bayerische Verfassungsschutzbericht veröffentlicht wird, in dem die Islamismusvorwürfe zum dritten Mal wiederholt werden. In dem Zusammenhang sagte sie, dass die Vorwürfe ihrer Einschätzung nach nicht zutreffen. Sie erklärte, dass sie als Justizministerium natürlich keinen Einfluß auf das anhängige Verfahren nehme. Als FDP-Landesvorsitzende wolle sie aber "auf politischer Ebene gegenhalten". Die Politikerin lobte die islamische Gemeinde Penzberg lobte für ihre Transparenz, das vielfältige Engagement und dafür, dass sie das Grundgesetz als gleiches Werteverständnis anerkennt.

Zuvor hatte der Vorsitzende der islamischen Gemeinde Penzberg, Bayram Yerli, betont, dass die Gemeinde "ohne Wenn und Aber zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung und zur Gleichberechtigung der Geschlechter". So äußerte sich auch Imam Benjamin Idriz. Einen scharfen Ton schlugen beide jedoch angesichts der Islamismusvorwürfe im Verfassungsschutzbericht an. Von einer bestimmten Strömung werde ihnen nichts als Lügen vorgeworfen, sagte Bayram Yerli. Als auffallend bezeichnete es Imam Idriz, dass extremistische Strömungen, seien es islamistische oder die Organisation Pax Europa, keine entsprechende Behandlung erführen. Er empfahl, dass der Verfassungsschutz prüfen sollte, welche Mitarbeiter in der Behörde derartige Denkrichtungen verfolgten. Dennoch, so Idriz, werde man "nicht aufhören, an ein Miteinander in Deutschland zu glauben".

Zu dem in München geplanten Zentrum für Islam in Europa sagte Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger, dies sei "ein interessantes Projekt mit vielen Facetten". Sie wertete die Initiative als positiv.

Quelle: http://www.merkur-online.de/lokales/nachrichten/bundesjustizministerin-staerkt-islamischer-gemeinde-penzberg-ruecken-696482.html

 

Alle Fraktionen für ZIE-M

31.03.2010 merkur-online.de

CSU, SPD, Grüne und FDP haben das Projekt zuletzt in einem Stadtratsantrag ausdrücklich unterstützt. Und die Fraktionen sehen trotz der erneuten Vorwürfe keinen Grund, davon abzuweichen.

Selten hat die Debatte um eine kleine religiöse Gemeinde die Politik so entzweit: Auf der einen Seite stehen die Vorwürfe von CSU-Innenminister Herrmann und der Verfassungsschützer, auf der anderen die Begeisterung vieler Politiker über die Integrationsarbeit der Gemeinde und ihr geplantes Islam-Zentrum in München.

An der Isar wollen Imam Idriz und einige Mitstreiter ein Zentrum für Islam in Europa („Ziem“) gründen: Es soll unter anderem aus einer Akademie bestehen, in der muslimische Geistliche in deutscher Sprache ausgebildet werden. CSU, SPD, Grüne und FDP haben das Projekt zuletzt in einem Stadtratsantrag ausdrücklich unterstützt. Und die Fraktionen sehen trotz der erneuten Vorwürfe keinen Grund, davon abzuweichen.

Vor allem Herrmanns Parteifreund Josef Schmid, CSU-Fraktionschef im Rathaus, stellt sich hinter die Penzberger Muslime. Er kenne die Abhörprotokolle, auf die der Verfassungsschutz seine Vorwürfe unter anderem stütze, sagte Schmid. „Ich komme aber zu einer ganz anderen Bewertung.“ Die Protokolle belegen nach Schmids Auffassung keinen Islamismus-Vorwurf. „Daher bleibe ich bei der Unterstützung des Ziem-Projekts.“ SPD-Fraktionschef Alexander Reissl ist ähnlicher Ansicht: „Solange keine handfesten, konkreteren Belege kommen, unterstützen wir Ziem weiter.“ Grünen-Stadträtin Gülseren Demirel bedauerte, dass der Verfassungsschutz erneut Vorwürfe erhob. „Ich hatte gehofft, es würde die Ratio siegen.“ FDP-Fraktionschef Michael Mattar bekräftige, seine Fraktion stehe weiter hinter „Ziem“. „Wir befürworten die Idee eines europäischen Islams.“ Der Rückendeckung auf Bundesebene ist er sich sicher: Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger versprach den Muslimen bei ihrem Besuch gestern in Penzberg politische Unterstützung. Innenminister Herrmann bleibt dem Ziem-Projekt gegenüber indes skeptisch: Auf dem Papier klinge Ziem wie eine wunderbare Sache. „Wenn es sich aber als trojanisches Pferd erweist und dahinter Leute stehen, die letztendlich die Zielsetzung haben, eine islamistische Gesellschaftsordnung in Deutschland zu verankern, dann halte ich davon natürlich gar nichts.“

Quelle: http://www.merkur-online.de/lokales/nachrichten/stadtrat-contra-verfassungsschutz-697875.html

 

Verfassungsschutz verärgert CSU-Politiker

30.03.2010 sueddeutsche.de

Die Islamische Gemeinde Penzberg, die in München eine Moschee samt Akademie zur Ausbildung von Imamen gründen will, wird weiter vom bayerischen Verfassungsschutz beobachtet.

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) kritisierte die erneute Nennung der Muslime im Verfassungsschutzbericht 2009, der am Dienstag von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) vorgelegt wurde.

Die Ministerin besuchte just an diesem Tag die Moschee in Penzberg und betonte, dass nach ihren Informationen "die Vorwürfe des Verfassungsschutzes gegen die Gemeinde in dieser Gewichtung nicht zutreffen". Auch der CSU-Fraktions-Chef im Münchner Stadtrat, Josef Schmid, der Einblick in Telefonabhörprotokolle genommen hatte, kommt zu einer "vollkommen anderen Bewertung als der Verfassungsschutz". Schmid unterstützt weiterhin das geplante "Zentrum für Islam in Europa" (Ziem) in München und auch die Islamische Gemeinde Penzberg.

Im Verfassungsschutzbericht heißt es, die Penzberger Gemeinde sei in Verbindung mit den islamistischen Organisationen Islamische Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) und Islamische Gemeinschaft in Deutschland (IGD) zu sehen.

Funktionäre der beiden großen Verbände stehen im Verdacht, "den internationalen Terrorismus finanziell zu unterstützen".

Bei Ermittlungen gegen Ibrahim El-Zayat, bis vor kurzem IGD-Präsident, seien Verbindungen zum Penzberger Imam Benjamin Idriz festgestellt worden, obwohl sich Idriz von der IGD distanziert und Kontakte bestritten hatte.

Auch zu Milli Görüs bestehen laut Verfassungsschutz Kontakte. Innenminister Herrmann räumte ein, dass gegen den Verein in Penzberg nichts strafrechtlich Relevantes vorliege. Doch einige Muslime in Penzberg verfolgten das Ziel, eine islamistische Gesellschaft unter dem Recht der Scharia zu errichten. "Ich bin mir bewusst, dass in der Gemeinde vieles Nützliche läuft", sagte Herrmann, aber es gebe eben bei einzelnen Mitgliedern auch "problematische Entwicklungen". Beim geplanten Ziem-Projekt sei entscheidend, "was da an Inhalt stattfinden wird", sagte der Minister. Gegen das Konzept als solches sei "nichts einzuwenden". Aber: "Wenn es sich um ein trojanisches Pferd handelt und dahinter Leute stehen, die anderes im Schilde führen", dann halte er von diesen Plänen nichts.

Imam Idriz, der das "Zentrum für Islam in Europa München" (Ziem) mit finanzieller Unterstützung des Scheichs von Sharjah plant, wies die Vorwürfe entschieden zurück. Der Verfassungsschutz gehe ohne Grundlage gegen eine Minderheit vor. Während seine Gemeinde von den beiden christlichen Kirchen, der jüdischen Gemeinde und allen demokratischen Parteien im Münchner Stadtrat offiziell unterstützt und als vorbildlich gelobt werde, gebe es nur einen rechtsextremen Münchner Stadtrat und eben den Verfassungsschutz, die die Integrationsbemühungen seiner Muslime torpedieren. Weil die Gemeinde vom Verfassungsschutz unter der Rubrik "Ausländerextremismus" geführt wird, wurde ihr die Gemeinnützigkeit entzogen. Die Regierung von Oberbayern untersagte zudem nach einem Hinweis des Verfassungsschutzes vor drei Wochen allen Schulen Moscheebesuche in Penzberg.

Bei der Stadt Penzberg um Bürgermeister Hans Mummert (SPD) ist man erschüttert über das staatliche Vorgehen. Und auch der Fraktionschef der Münchner Stadtrats-CSU, Josef Schmid, ist verblüfft über die Verfassungsschützer. Schmid kennt die Abhörprotokolle, die den Imam belasten sollen, und meint dazu: "Das ist alles konstruiert."

Nur weil sich Idriz am Telefon mit einem IGD-Funktionär geduzt habe, werde daraus abgeleitet, die Penzberger würden von den großen Muslimverbänden gesteuert. Es gebe keinerlei neue Erkenntnisse aus der Telefonüberwachung über die Gemeinde. "Ich kann nur mit dem Kopf schütteln", so Schmid zur SZ. Das Innenministerium hat die Gemeinde bereits seit drei Jahren im Visier. Der frühere Innenstaatssekretär und heutige CSU-Fraktionschef im Landtag, Georg Schmid, brachte die Muslime als Erster öffentlich in Verbindung mit Islamisten. Mit "internen Unterlagen" wollte Schmid damals beweisen, dass der Penzberger Imam den "reinen Islam" propagiere.

Bei SZ-Recherchen stellte sich aber heraus, dass Idriz diese Unterlagen von einem Islamlehrer aus Wien gemailt bekommen hatte. Hildebrecht Braun, ehemaliger FDP-Bundestagsabgeordneter und Rechtsanwalt der Muslime, sagte, Schmid habe bei seiner Bewerbung als Innenminister den "harten Hund" geben müssen. Später sei er zurückgerudert, nicht jedoch der Verfassungsschutz, "der jetzt sein Gesicht wahren muss". Für die Islamische Gemeinde sei der Schaden unglaublich groß.

Als "Zufall" bezeichnete Leutheusser-Schnarrenberger ihren Besuch in Penzberg just an diesem Dienstag. Sie sei aber "froh über diesen Zufall" und lobte die Integrationsbemühungen, die Deutschkurse, konfessionsübergreifenden Schulungen und den öffentlichen Kindergarten der Moschee. "Auch verantwortungsvolle Politiker aus dem Freistaat werden diese Bemühungen unterstützen", sagte die bayerische FDP-Chefin mit Blick auf die Staatsregierung und kündigte "Gespräche" in München an. Darin wird es auch um die einstweilige Verfügung der Penzberger gegen den Verfassungsschutz gehen. Seit elf Monaten liegt die Verfügung beim Verwaltungsgericht, ohne dass es zu einer Entscheidung kam.

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/muenchen/261/507420/text/

 

Gefährliche Diskreditierung

Von Christian Rost

31.03.2010 sueddeutsche.de

Möglicherweise ist es nur Islamophobie, die die Beamten treibt. Vielleicht wollen sie auch nicht zugeben, dass sie schon bei ihren ersten Anschuldigungen Fehlinformationen aufgesessen sind. Jedenfalls erreicht der Verfassungsschutz und mit ihm das Innenministerium auf diese Weise, dass die Ablehnung des Islamischen Zentrums in München geschürt wird. Deutschnationale Extremisten werden es ihnen danken.

Führte die Islamische Gemeinde Penzberg eine Freundeskreisliste, fänden sich darauf nicht, wie der Verfassungsschutz es suggeriert, die Namen von extremistischen Islamisten. Es stünden dort Alois Glück (CSU), früherer Landtagspräsident, oder Avi Primor, ehemaliger israelischer Botschafter in Deutschland. Oder Josef Schmid, der Münchner CSU-OB-Kandidat, der die Muslime gegen den Verfassungsschutz in Schutz nimmt. Denn die Penzberger Gemeinde gilt bis heute als herausragendes Beispiel gelungener Integration von Muslimen in Deutschland. Tagtäglich informierten sich Besuchergruppen über deren Arbeit in der 17 000-Einwohner-Stadt. Deutschkurse werden abgehalten, an jedem ersten Freitag im Monat wird auf Deutsch gebetet.

Der Vorsitzende der Gemeinde, Bayram Yerli, war tatsächlich bis März 2006 Mitglied von Milli Görüs. Aus "Nachlässigkeit" sei er erst spät ausgetreten. Man kann sich daran stören, muss aber auch hören, wenn er sagt: "Wir sind Fanatiker, wenn es um den Rechtsstaat geht, wir stehen zur freiheitlichen demokratische Grundordnung, zur Gleichberechtigung von Frau und Mann." In so manchen Hinterhof-Moscheen, in denen tatsächlich extremistische Gedanken gepredigt werden, wären solche Aussagen undenkbar. Weshalb also pickt sich der Verfassungsschutz ausgerechnet die Penzberger Vorzeige-Gemeinde heraus, um sie zu diskreditieren? Möglicherweise ist es nur Islamophobie, die die Beamten treibt. Vielleicht wollen sie auch nicht zugeben, dass sie schon bei ihren ersten Anschuldigungen Fehlinformationen aufgesessen sind. Jedenfalls erreicht der Verfassungsschutz und mit ihm das Innenministerium auf diese Weise, dass die Ablehnung des Islamischen Zentrums in München geschürt wird. Deutschnationale Extremisten werden es ihnen danken.

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/p5e389/3292820/Gefaehrliche-Diskreditierung.html

 

Knobloch für Islam-Zentrum

Von Monika Maier-Albang

22.03.2010 sueddeutsche.de

Neue Moschee in München solle "bald Realität" werden

Sie wünsche sich, sagte Knobloch, dass das Zentrum "bald Realität wird". Die Präsidentin des Zentralrats der Juden und Vorsitzende der Münchner Israelitischen Kultusgemeinde, Charlotte Knobloch, hat sich für den Bau eines islamischen Zentrums in München ausgesprochen. Sie begrüße es, dass die Muslime ein solches Zentrum bekommen sollen, sagte Knobloch am Sonntag in Tutzing, wo sie auf einer Tagung der Akademie für politische Bildung auftrat. Wie berichtet, versucht der Imam der islamischen Gemeinde Penzberg, Benjamin Idriz, in der Landeshauptstadt ein "Zentrum für Islam in Europa – München", kurz "ziem" genannt, aufzubauen. Seit Freitag gibt es dazu einen fraktionsübergreifenden Stadtratsbeschluss von SPD, CSU, FDP und den Grünen, die den Bau des islamischen Zentrums in der Innenstadt vorantreiben wollen.

Das Islamische Zentrum soll eine Moschee beherbergen, Gemeinderäume, einen Kindergarten, ein Alten- und Servicezentrum sowie eine öffentliche Bibliothek. Geplant ist zudem eine Akademie, in der angehende muslimische Seelsorger und Religionslehrer in deutscher Sprache eine theologische Ausbildung erhalten – möglicherweise in Zusammenarbeit mit der Ludwig-Maximilians-Universität. Oberbürgermeister Christian Ude hält das Projekt für einen "Glücksfall für den Dialog zwischen Mehrheitsgesellschaft und Islam".

Knobloch sagte in Tutzing, sie verbinde mit dem Zentrum zum einen die Hoffnung, dass die Muslime in München sich nicht länger gegenüber der jüdischen Gemeinde, die seit 2006 ein repräsentatives Zentrum am St.-Jakobs-Platz hat, benachteiligt fühlten. Zum anderen gehe sie davon aus, dass ein solches Zentrum dazu beitragen werde, antisemitische Ressentiments bei deutschen Muslimen auszuräumen. Sie sehe mit Sorge, dass diese Vorbehalte gerade unter muslimischen Jugendlichen zunähmen, die ihre Haltung wiederum auf nicht-muslimische Klassenkameraden übertragen würden. In jüngster Zeit gebe es zudem Tendenzen, dass Islamisten und Nationalsozialisten sich verbrüdern. Diesem "Ideologietransfer" müsse dringend Einhalt geboten werden.

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/j5238E/3272974/Knobloch-fuer-Islam-Zentrum.html

 

Doch eine Moschee für Sendling?

Von Johannes Patzig

21.03.2010 merkur-online.de

München – Nach dem kürzlich verkündeten Aus für die Moscheepläne des Vereins Ditim in Sendling stellt sich eine Frage: Was passiert mit dem Grundstück am Gotzinger Platz? Könnte hier gar ein anderes Moschee-Projekt entstehen? OB Ude hält das für möglich.

Die Enttäuschung war vielerorts groß, als der Chef des türkisch-islamischen Moscheevereins Ditim einräumte: Die Moschee am Gotzinger Platz kann nicht gebaut werden. Nicht zuletzt an der Stadtspitze dürfte der Frust enorm gewesen sein. OB Christian Ude hatte sich energisch für das Vorhaben ins Zeug gelegt – aber auch das städtische Planungsreferat hatte in jahrelanger, mühsamer Arbeit einen Bebauungsplan erstellt. Ist all das umsonst gewesen?

Nicht unbedingt, laut Ude. Es sei möglich, dass das Grundstück dennoch für eine religiöse Nutzung Verwendung finden könne, bestätigte der OB unserer Zeitung. Auch die Verwirklichung eines anderen Moscheeprojekts am Gotzinger Platz sei denkbar. Die Eignung des Areals dafür sei ja "gründlich genug ermittelt worden", so Ude. Er wisse im Moment keinen anderen Standort in der Stadt, der die Voraussetzung für einen Moscheebau ähnlich gut erfülle wie der Gotzinger Platz: "Das Grundstück gehört der Stadt, es ist leer, eine dichte Bebauung und eine religiöse Nutzung sind möglich", so Ude.

Wer aber würde eine Moschee am Gotzinger Platz bauen? Als erstes kommt freilich das Projekt "Zentrum für Islam in Europa – München" (Ziem) des Penzberger Imams Benjamin Idriz in den Sinn. Erst am Freitag hatte sich der Stadtrat mit gewaltiger Mehrheit für das Vorhaben ausgesprochen (wir berichteten). Die Ziem-Planer wollen unter anderem eine Moschee und eine Islamische Akademie errichten – und suchen ein Grundstück.

Ude glaubt jedoch, das Areal am Gotzinger Platz könnte dafür zu klein sein. Auch Idriz ist skeptisch, ob dies der richtige Ort wäre – einige Anwohner in Sendling hatten massiv gegen den Moscheebau protestiert. Kategorisch ausschließen will er das Areal aber nicht. "Wir wollen das gemeinsam mit der Stadt besprechen." Doch es gibt auch andere Interessenten: Wie zu hören ist, hat der Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ), einer der großen muslimischen Dachverbände, gegenüber Ditim Interesse am Gotzinger Platz bekundet. Auf Anfrage gibt man sich beim VIKZ aber zurückhaltend. "Wir haben weder ein Angebot für das Areal bekommen, noch eines unterbreitet", sagte ein Sprecher.

Ude stellt indes klar: Die künftige Nutzung des Gotzinger Platzes ist keineswegs entschieden. Schließlich habe er bislang noch keine offizielle Absage von Ditim erhalten. Und: Eine religiöse Nutzung des Platzes müsse nicht zwangsläufig ein Moscheeprojekt sein. Auch andere Glaubensrichtungen wollten in München bauen und könnten hier theoretisch ein Zuhause finden. Es gebe etwa Bestrebungen aus dem Bereich der "nicht-griechischen Orthodoxie". Ude denkt dabei womöglich an die Pläne der rumänisch-orthodoxen Gemeinde, in München eine Kirche mit Kloster zu errichten. Die Gemeinde hat jedoch vor allem ein Grundstück in Aubing im Blick (siehe Bericht in dieser Ausgabe). Theoretisch denkbar sei der Gotzinger Platz sogar als Standort für die neue Synagoge der liberalen jüdischen Gemeinde Beth Shalom, so Ude. Deren Wunsch-Areal liegt zwar Am Gries (Lehel). Doch wie berichtet ist es noch nicht sicher, dass die Gemeinde dieses Areal auch wirklich kaufen kann.

Quelle: http://www.merkur-online.de/lokales/nachrichten/doch-eine-moschee-sendling-683365.html

 

Jetzt doch! Eine neue Moschee für München

Von Johannes Patzig

21.03.2010 tz-online.de

München und eine neue Moschee – alles vorbei!? Falsch! Nun soll die Stadt gar ein eigenes Islam-Zentrum bekommen – selbstverständlich auch mit Moschee.

Die Moschee am Gotzinger Platz – sie war wohl eins der umstrittensten Bauprojekte Münchens überhaupt. Über Jahre zankten sich der Oberbürgermeister, der Stadtrat, Anwohner und natürlich die betroffenen Muslime um Bebauungspläne und Finanzierungen. Bis sich dann vor wenigen Wochen alles erledigte, weil’s am Geld fehlte. Jetzt aber gibt es einen neuen Plan. Er stammt von dem Penzberger Imam Benjamin Idriz. Tatsache ist: Er könnte das Projekt (mit seinen Unterstützern im Rücken) auch finanziell problemlos stemmen. Und noch einen entscheidenden Unterschied zum Gotzinger Platz gibt es: Auch im Stadtrat unterstützen alle Parteien – von der SPD, den Grünen bis hin zur CSU – das "Zentrum für Islam in Europa – München", so der offizielle Name. Keine Streitereien, keine Polemik in Sicht. "Das richtige Projekt" nennt beispielsweise CSU-Fraktionschef Josef Schmid die Idee.

Das neue Zentrum soll übrigens aus einer großen Moschee, aus einer öffentlichen Bibliothek, einem Museum sowie einem Kindergarten und Seniorenbereich bestehen. Es solle ein Ort der "Begegnung" zwischen den Kulturen werden.

Aber wo wird gebaut? Als Ort für das Projekt habe man den Platz des städtischen Bauhofs an der Dachauer Straße im Auge. Eine Entscheidung sei hier aber noch nicht getroffen worden, hieß es aus Insider-Kreisen. Allen Beteiligten ist aber wichtig, dass das Zentrum direkt in der Stadt entsteht und nicht irgendwo am Stadtrand. Bei der Suche nach einem Bauplatz ist aber davon auszugehen, dass dem Gotzinger Platz aus dem Weg gegangen wird. Jedenfalls ist hier der Streit mit so manchem Anwohnern schon vorprogrammiert.

Imam Benjamin Idriz hatte in Penzberg – mit Hilfe des Architekten Alen Jasarevic – eine moderne Moschee errichtet. Als Geldgeber war dabei unter anderem der Emir von Sharja, Mohammed Al-Quasimi, tätig. Er will auch bei dem Münchner Islam-Zentrum als Unterstützer einspringen. Aber nur, wenn es keine politischen Streitereien um das Projekt gibt. Noch deutet alles darauf hin, dass es ruhig bleibt und endlich eine zufriedenstellende Lösung für alle gefunden werden kann.

Quelle: http://www.tz-online.de/aktuelles/muenchen/tz-jetzt-doch-eine-neue-moschee-muenchen-683243.html

 

Und die Moschee kommt doch

Von Monika Maier-Albang

20.03.2010 sueddeutsche.de

Happyend für die Münchner Muslime? Nach dem Aus für die Moschee in Sendling gibt es neue Pläne eines Penzberger Imams – und diesmal ist selbst die CSU überzeugt. Vor zwei Wochen erst mussten die Türken in Sendling ihre Moschee-Pläne am Gotzinger Platz beerdigen. Nach jahrelangem Gezerre um Bebauungspläne und Finanzierung und viel emotionalem Widerstand einiger Sendlinger gaben sie auf. Nun sieht es so aus, als käme dafür ein anderer zum Zug: der Penzberger Imam Benjamin Idriz. Seit drei Jahren arbeitet der gebürtige Mazedonier, der seit 1995 in Deutschland lebt, an einem Projekt, das sich "ziem" nennt: "Zentrum für Islam in Europa – München". Das Zentrum soll bestehen aus einer großen und attraktiven Moschee, aus Gemeinderäumen mit Kindergarten und Seniorenbereich, einer öffentlichen Bibliothek und einem islamischen Museum.

Geplant ist auch eine Akademie, in der angehende muslimische Seelsorger und Religionslehrer eine fundierte theologische Ausbildung erhalten und dabei einen liberalen, europäischen Islam vermittelt bekommen sollen. Das Projekt, sagt Stefan Jakob Wimmer, der stellvertretende Vorsitzende des Trägervereins, richte sich "gegen die Fehlentwicklungen einer bisher nicht geglückten Integration und gegen eine weitere Ausbreitung aggressiver und traditionalistischer Richtungen in Deutschland". Kurz: Die Muslime in der Stadt sollen mit ihrem Glauben im Europa des 21. Jahrhunderts ankommen.

Dafür, dass dieses Zentrum Realität wird, haben sich am Freitag fraktionsübergreifend SPD, Grüne und FDP ausgesprochen – und sogar die CSU, die die Sendlinger Moschee noch abgelehnt hatte, ist diesmal mit an Bord. In Sendling, sagt CSU-Fraktionschef Josef Schmid, sei vieles schief gelaufen: falscher Ort, falsche Architektur. Die Anwohner seien von den ditim-Leuten nicht rechtzeitig in die Planung einbezogen worden. Ditim ist der Münchner Ableger des Verbandes Ditib, welcher der türkischen Regierung nahesteht. Die CSU hatte sich von Rot-Grün bei der Planung überrumpelt gefühlt; die rot-grüne Rathauskoalition warf ihr Populismus auf dem Rücken der Muslime vor. Ziem aber, sagt Schmid, sei nun "das richtige Projekt": initiiert von Muslimen, die einen europäischen Islam vertreten, Deutschland als ihre Heimat sehen, ein Projekt, das "vorhandene Gräben zuschütten wird". Im Januar 2009 organisierte Münchens dritter Bürgermeister Hep Monatzeder mit Idriz eine Reise nach Sarajevo, an der auch Schmid teilnahm. Eine Gelegenheit, sich kennenzulernen. Einen Monat später stellte Idriz sein Projekt im Stadtrat vor. Auch auf Landesebene gibt es Unterstützer, etwa die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Margarete Bause, und den ehemaligen Landtagspräsidenten Alois Glück (CSU).

Skeptisch ist bislang das Innenministerium, da die Penzberger Gemeinde, der Idriz vorsteht, im Verfassungsschutzbericht erwähnt wird. Der Verfassungsschutz wirft der islamischen Gemeinde Penzberg eine Verbindung zur Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) vor, was die Penzberger Gemeinde, die keinem der alteingesessenen Islam-Verbände angehört, vehement bestreitet.

Auch Monatzeder ist, wie Schmid, von der Integrität der Ziem-Initiatoren überzeugt. Er habe sie "in vielen Gesprächen erlebt" und kenne ihr "deutliches Bekenntnis zu rechtsstaatlichen Werten sowie zur Gleichberechtigung von Mann und Frau". Wo das Zentrum gebaut wird, ist noch offen. Angedacht ist, es auf dem jetzigen Platz des städtischen Bauhofs an der Dachauer Straße anzusiedeln – ein Areal, das ganz neu und viel attraktiver gestaltet werden soll. Eine gute, repräsentative Lage soll es in jedem Fall sein, die Fraktionen haben die Verwaltung mit der Suche "eines geeigneten Grundstücks in der inneren Stadt" beauftragt.

In Penzberg hatte der aus Bosnien stammende Augsburger Architekt Alen Jasarevic eine moderne Moschee errichtet. Eine Kostenplanung gibt es noch nicht. Der Verein würde Zuschüsse erhalten für den Kindergarten und das Alten- und Servicezentrum, wie andere öffentliche Trägern auch, und müsste ansonsten die Finanzierung selbst stemmen.
Die Penzberger Moschee hatte der Emir von Sharja, Mohammed Al-Quasimi, finanziert. Er steht auch in München als Geldgeber bereit, sofern es keinen politischen Streit um das Vorhaben gibt. Eine Voraussetzung, die nun vielleicht erstmals geschaffen ist.

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/muenchen/325/506505/text/

 

Riesenschub für Islam-Zentrum

Von Johannes Patzig

19.03.2010 merkur-online.de

München – Der Bau eines großen Islam-Zentrums in München wird immer wahrscheinlicher. Der Stadtrat unterstützt das Projekt – inklusive OB Ude

Nachdem der türkisch-islamische Verein "Ditim" das Aus seiner Moscheepläne in Sendling verkündete, rückt ein anderes Moscheeprojekt in den Vordergrund: das "Zentrum für Islam in Europa – München" (Ziem) – ein Vorhaben einer Initiative um den Penzberger Imam Benjamin Idriz. "Ziem" ist weit ehrgeiziger als die Sendlinger Pläne: Idriz und seine Mitstreiter planen nicht nur eine Moschee, sondern auch eine Islamische Akademie zur Ausbildung von muslimischen Geistlichen, den Imamen, in deutscher Sprache.

Erheblichen Rückenwind erhält das Projekt nun aus der Stadtpolitik. Die Rathaus-Fraktionen von SPD, CSU, Grünen und FDP fordern die Stadt in seltener Einigkeit in einem gemeinsamen Antrag auf, die "Ziem"-Initiative zu unterstützen. Die Verwaltung solle dem Verein bei der Suche nach einem Grundstück in der inneren Stadt helfen und – soweit nötig – die planungsrechtlichen Voraussetzungen für den Bau schaffen.

Bei der Stadtspitze stößt das Anliegen auf offene Ohren. "Sehr positiv" beurteilt OB Christian Ude das Vorhaben. Er kenne Imam Idriz als einen "dialogfähigen und dialogwilligen Mann". Das Projekt wäre ein "Glücksfall für den Dialog zwischen Mehrheitsgesellschaft und Islam", so Ude gegenüber unserer Zeitung. Bemerkenswert ist auch der Zuspruch der CSU – sie hatte sich gegen die Ditim-Moschee in Sendling ausgesprochen. Die Ziem-Pläne aber bezeichnet CSU-Fraktionschef Josef Schmid als "historische Chance". Ziem stehe für einen modernen europäischen Islam, "der alle Grundwerte unserer Gesellschaft auf der Basis des Grundgesetzes anerkennt." Die massive politische Unterstützung kommt in einer entscheidenden Phase für die Projektplaner. In Kürze soll die Entscheidung des Verwaltungsgerichts im Rechtsstreit der Islamischen Gemeinde Penzberg gegen den Freistaat Bayern fallen. Die Penzberger Muslime um Imam Idriz waren vor Gericht gezogen, weil der bayerische Verfassungsschutz ihnen Nähe zum Islamismus vorwirft. Weitere Unterstützung könnten die Muslime auf Bundesebene erhalten. Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) besucht die Gemeinde am 30. März – praktisch zeitgleich mit dem Erscheinen des neuen Verfassungsschutzberichts. Bis das Islam-Zentrum Wirklichkeit wird, haben Idriz und seine Mitstreiter aber noch manche Hürde zu nehmen. Sie brauchen Sponsoren um die Finanzierung zu sichern. Und sie brauchen ein Grundstück – und zwar ein großes. Ziem soll aus einer Moschee für 600 Gläubige, einer Islamischen Akademie, einem Museum und einem Gemeindezentrum bestehen. Noch habe man kein Areal gefunden, so Idriz. Dennoch ist er optimistisch. "Ich freue mich riesig über den Stadtratsantrag. Jetzt haben wir eine echte Chance, das Projekt gemeinsam mit der Stadt zu verwirklichen."

Quelle: http://www.merkur-online.de/lokales/nachrichten/riesenschub-islam-zentrum-681844.html

 

"Unser Projekt ist eine gute Alternative"

Von Julia Lenders

01.03.2010 Abendzeitung München

Die Moschee am Gotzinger Platz wird nicht gebaut. Dafür will der Imam der Moschee in Penzberg, Benjamin Idriz, ein Großprojekt in München verwirklichen.

Was hat er vor?
MÜNCHEN – AZ: Nachdem es nun doch keine Moschee am Gotzinger Platz geben wird, ruhen viele Erwartungen auf Ihrem Projekt. Sie wollen ein „Zentrum für Islam in Europa – München“ bauen.

Wo?
BENJAMIN IDRIZ: Es gibt noch keinen Standort, das ist auch nicht das Dringendste. Ende Januar haben wir einen Antrag an die Landeshauptstadt gerichtet und um Unterstützung gebeten. Wir warten auf ein Signal der Stadt und werden dann erst über einen geeigneten Platz sprechen. Wenn Integration gelingen soll, dann kann sie jedenfalls nicht an den Stadträndern stattfinden.

Wie soll das Zentrum, das Sie planen, aussehen?
Das steht im Detail noch nicht fest, aber es soll ausdrücklich eine europäische Erfahrung von Islam abbilden. Klar ist, dass es fünf Bausteine geben soll. Eine Islam-Akademie, in der auch Imame auf Deutsch ausgebildet werden, eine attraktive Moschee, eine öffentliche Bibliothek, ein Gemeindezentrum und ein Museum. Nach dem Scheitern der Moschee in Sendling glaube ich, dass unser Projekt eine gute Alternative ist. Wir wollen auch anderen muslimischen Organisationen die Chance geben, sich daran zu beteiligen.

Bedauern Sie, dass das Projekt am Gotzinger Platz nicht verwirklicht wird?
Ich bedauere sehr, dass es nicht geklappt hat. Aber die Gründe dafür lagen außerhalb Münchens. Der Dachverband Ditib plant ein sehr großes Projekt in Köln. Und in Zeiten der Finanzkrise ist es nicht einfach, Spender zu akquirieren.

Sind Fehler gemacht worden?
Es hat ja nicht nur Probleme gegeben, sondern auch viel Zustimmung – auch aus dem Stadtviertel. Trotzdem gab es am Anfang wohl zu wenig Öffentlichkeitsarbeit. In Penzberg haben wir drei Jahre, bevor gebaut wurde, damit angefangen, eine öffentliche Diskussion zu führen.

Haben Ihnen die Pläne für den Sendlinger Bau gefallen?
Mir gefällt unsere Penzberger Moschee. Sie ist zeitgemäß und nicht am Stil anderer Länder orientiert.

Braucht München eine repräsentative Moschee?
München ist eine Weltstadt und verdient repräsentative Sakralbauten, natürlich auch eine Moschee. In München leben mehr als sieben Prozent Muslime, etwa 100 000 Menschen. Die vermissen eine sichtbare Mitte. Das sollte aber eine Münchner Moschee sein, die sich mit den Werten der Gesellschaft und des Landes identifiziert.

Da ist noch eine Altlast – Ihre Gemeinde wurde im Verfassungsschutzbericht erwähnt.
Das stimmt, dagegen haben wir geklagt. Die Frage ist, warum das Innenministerium ausgerechnet gegen eine Gemeinde vorgeht, bei der jeder, der sie kennt, weiß, dass die Vorwürfe absurd sind. Es gibt offensichtlich Strömungen, die eine effektive Integration von Muslimen absolut verhindern wollen. Davon unabhängig ist das Zentrum für Islam in Europa-München ein eigenständiger Verein. Wir wollen nichts anderes, als mit und für München etwas auf die Beine zu stellen, auf das am Ende alle stolz sind – wahrscheinlich sogar besonders die, die immer erst einmal dagegen sind.

Quelle: http://www.abendzeitung.de/muenchen/169563

 

Islamisches Zentrum gewinnt Konturen

19.02.2009 Süddeutsche Zeitung

Bürgermeister Monatzeder lädt Vertreter von Verbänden und Politik zur Diskussion
Von Monika Maier-Albang

Der Imam der afghanischen Gemeinde, Sidigula Fadai, meldet sich als einer der letzten zu Wort und erzählt, wie er vor zwanzig Jahren begonnen hat, beim Freitagsgebet in deutsch zu predigen. Damals, sagt Fadai, hätten die Zuhörer zunächst gelacht. Weil es ihnen so merkwürdig erschien, vertraute religiöse Begriffe in der Sprache ihrer neuen Heimat zu hören. Nun sitzt Fadai im großen Sitzungssaal des Rathauses und traut seinen Ohren nicht. Da wirbt im Münchner Rathaus ein junger Imam mit Unterstützung der Stadt für ein Zentrum, in dem islamische Seelsorger in deutscher Sprache ausgebildet werden sollen. Hätte ihm vor zwei Jahrzehnten jemand so etwas prophezeit, vermutlich hätte Fadai den Überbringer der Botschaft ausgelacht.

Benjamin Idriz, Imam in Penzberg, durfte also am Dienstagabend das Projekt "Ziem" im Rathaus vorstellen. Das "Zentrum für Islam in München" ist bislang wenig mehr als eine Vision. Das Konzept dazu hatte Idriz vor zwei Jahren gemeinsam mit rund 40 Mitstreitern – zumeist Münchner Muslime aus verschiedenen Herkunftsländern – erarbeitet. Die Initiatoren verstehen ihr Vorhaben als "ein aufrichtiges Angebot von Muslimen, die sich der Integration verpflichtet fühlen". Münchens dritter Bürgermeister Hep Monatzeder unterstützt das Projekt. Ziem, so argumentiert er, könne "eine Lücke im Angebot der Stadt" füllen. Deshalb hatte Monatzeder Vertreter von Parteien, Ministerien, Kirchen und muslimischen Verbänden zur Diskussion geladen, um "ein Schrittchen weiterzukommen". Rund 50 Interessierte kamen, darunter, das lässt aufhorchen, ein Abgesandter aus der Grundsatzabteilung des Innenministeriums. Dieses Amt hegte bislang Vorbehalte gegen Idriz und den Vorstand der Penzberger Gemeinde.

Das Zentrum soll nach dem Wunsch der Initiatoren mehrere Bausteine haben: ein islamisches Museum, eine öffentliche islamische Bibliothek, eine Moschee und ein Gemeindezentrum. Das Herzstück aber ist eine Akademie, an der angehende muslimische Seelsorger eine fundierte theologische Ausbildung erhalten sollen. Bislang holen die Moscheegemeinden – in Ermangelung einer Ausbildungsstätte im deutschsprachigen Raum – ihre Imame aus den Herkunftsländern. Eine Ausbildung hierzulande brächte nur Vorteile, sagt Monatzeder. Man bekäme Seelsorger, die mit der Gesellschaft, in der sie arbeiten, vertraut sind, die leichter Zugang finden zu städtischen Ansprechpartnern, zu christlichen Seelsorgern, zu Schulen. Das Zentrum, hofft Monatzeder, würde dazu beitragen, dass "Muslime endlich gleichberechtigt am sozialen Leben teilhaben." Und diesen Wunsch teilen Politiker parteiübergreifend. Margarete Bause, Fraktionschefin der Landtagsgrünen, steht hinter dem Vorhaben. Der vormalige Bundestagsabgeordnete Hildebrecht Braun (FDP) spricht von einer "großartigen Chance". Und der Münchner CSU-Fraktionschef Josef Schmid sagt, er unterstütze das Projekt "voll und ganz". Die Initiatoren würden "in klarer Abgrenzung zum fundamentalistischen Islamismus offensiv für unsere Verfassung und unsere Grundwerte werben. Das schafft in mir Vertrauen".

Idriz Ansatz ist tatsächlich revolutionär und, aus Sicht mancher Muslime, deshalb auch unerhört. Es stellt die Muslime vor die Herausforderung, international zu denken und nicht länger in Landsmannschaften. Es soll den innerislamischen Dialog fördern und zugleich interreligiös ausgerichtet sein. Die Ausbildung der Seelsorger soll andocken an das staatliche Hochschulsystem. In der Moschee, die den Initiatoren vorschwebt, sollen Frauen und Männer gemeinsam in einem Raum sitzen – ohne räumliche Trennung in Oben und Unten. Vor Gott, sagt Idriz, seien Männer und Frau gleich.

Aber wie wollen die das alles schaffen? Ist das Konzept nicht überladen? Fragen, die sich am Dienstag mancher Teilnehmer stellte. Für die Imam-Ausbildung, wird angeregt, bräuchte es zunächst eine klarere Zielsetzung, welcher Abschluss angestrebt werden soll: Bachelor, Master, Diplom? Der Generalkonsul der Niederlande, Lionel Veer, erzählte, dass in seiner Heimat der Verwirklichung einer Bachelor-Ausbildung für Imame ein über Jahre währendes Ringen voranging. Die größte Hürde sei dabei die Akzeptanz innerhalb der muslimischen Gemeinschaft gewesen, weil Verbände ihre Ausbildungs-Hoheit bedroht sahen. "Was," fragt Veer, "wenn die Imame ausgebildet sind und dann keine Stelle finden?" Nicht geklärt ist bislang auch die Frage der Finanzierung des Zentrums. Die Initiatoren hoffen auf Spenden, vor allem von Muslimen. Dann könne man "auf ausländische Quellen verzichten", sagt Idriz. Der Emir von Sharja, Mohammed Al-Qasimi, stünde allerdings weiterhin als Geldgeber bereit – unter der Voraussetzung, dass dies erklärter politischer Wille in München und Bayern ist.

Am Ende meldet sich noch einer zu Wort. Mirsad Niksic gibt seit Schuljahresbeginn islamischen Religionsunterricht an der Grundschule am Pfanzeltplatz in Altperlach. Bei seinen Schülern, erzählt er, verspüre er einen "großen Wissensdurst", aber wenig Wissen. In den Koranschulen, die die Kinder teilweise besuchen, wird zwar fleißig auswendig gelernt, aber offenbar wenig nachgefragt. Niksic hat inzwischen "Fragezeiten" in den Unterricht eingebaut. Und was er da zu hören bekommt, mag man fast nicht für möglich halten. " Wird Allah mir vergeben, wenn ich mit einem christlichen Jungen ins Kino gehe?" "Ist die Bibel vom Teufel gemacht?" "Dürfen Muslime Schweinefleisch essen?" "Müssen Muslime beten?" Solche Fragen richten Viertklässler an ihren Lehrer. Vor diesem Hintergrund hält Niksic es für zweitrangig, ob ein Imam seine Ausbildung mit einem Bachelor oder mit einem Master beschließt, "solange er erklären kann, dass Mädchen nicht dazu da sind, zuhause das Essen zu richten".

Quelle: www.sueddeutsche.de/454388/754/2765364/Islamisches-Zentrum-gewinnt-Konturen.html

 

Zuhören statt Abhören

Von Monika Maier-Albang

16.01.2009 Süddeutsche Zeitung

Münchner Politiker reisen nach Bosnien, um sich über das Zusammenleben mit Muslimen und die Ausbildung von Imamen zu informieren

Nur einmal in diesen vier Tagen rutscht dem Penzberger Imam Benjamin Idriz eine Bemerkung heraus, die etwas bitter klingt. Es ist der zweite Abend in Sarajevo, der Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina. Der Großmufti von Kroatien, Sefko Omerbasic, hat eine achtstündige Anfahrt von Zagreb auf sich genommen, um die Delegation aus München in Sarajevo treffen zu können. Politiker aller Landtagsfraktionen und des Münchner Stadtrats sind hierhergekommen, um sich ein Bild zu machen, wie eine mögliche Ausbildung von Imamen und islamischen Religionslehrern in München künftig aussehen könnte. Zusammengetrommelt hat die Reiseteilnehmer Münchens grüner Bürgermeister Hep Monatzeder; die Ursprungsidee aber stammt von Benjamin Idriz, der in München ein "Zentrum für Islam in Europa" aufbauen will.

Gerade hat Omerbasic davon berichtet, welche Rechte der Staatsvertrag in seinem Land der muslimischen Minderheit zusichert. Obwohl nach seiner Rechnung nur etwa zwei Prozent der Kroaten Muslime sind, habe die Eheschließung durch eigens bestellte Imame Gültigkeit; es gebe Seelsorger in Gefängnissen und beim Militär, eine Islamische Fakultät sei in Zagreb im Aufbau, der Staat zahle die Gehälter der islamischen Religionslehrer und Imame besäßen eine gewisse Immunität: Vor einer Festnahme müsse die oberste muslimische Instanz im Land, also er, angehört werden, erzählt der Großmufti. In dem Moment kann sich Benjamin Idriz einen leisen Anflug von Galgenhumor nicht verkneifen: "Bei uns werden sie abgehört."

Falscher Verdacht
Der Penzberger Imam ist seit dem vergangenen Sommer bemüht, seine Reputation wiederherzustellen. Damals hatte das bayerische Innenministerium ihn als verkappten Islamisten öffentlich vorgeführt. Dann stellte sich heraus, dass das belastende Schreiben, das Verfassungsschützer offenbar auf seinem PC abgefangen und ihm zugeordnet hatten, gar nicht von Idriz stammte. Dennoch stehen Mitarbeiter des Innenministeriums dem Imam und Vorstand der Penzberger Gemeinde nach wie vor skeptisch gegenüber. Idriz wiederum besucht seit Monaten Politiker und lädt sie in die Moschee nach Penzberg ein, um dort geleistete Integrationsarbeit zu zeigen, für die er von zahlreichen CSU-Politikern Dankesschreiben erhalten hat. Auf Einladung der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung hat er im Dezember sogar in Wildbad Kreuth gesprochen. Er will Vertrauen aufbauen – und für sein Projekt werben.

Seine Vision ist ein "Zentrum für Islam in Europa – München" (ZIEM), eine Stätte, an der die Religionen miteinander ins Gespräch kommen sollen und wo die Integration der Muslime unter anderem dadurch vorangebracht werden soll, dass Imame in deutscher Sprache und mit wissenschaftlichem Anspruch ausgebildet werden. Was der Penzberger Imam beweisen will, ist, dass man Europäer, überzeugter Demokrat – und ein guter Muslim sein kann. Dass ein "Euro-Islam" nicht die Absicht hat, Europa zu islamisieren, sondern dass diese Religion ein ergänzender, befruchtender – und ein längst gelebter Teil Europas ist.

In Bosnien, das soll die Reise auch vermitteln, sind Juden, Christen, Muslime über Jahrhunderte meist gut miteinander ausgekommen. Und trotz des Krieges, der das Land zwischen 1992 und 1995 verwüstete, funktioniere das Zusammenleben wieder, sagt der Weihbischof von Sarajevo, Pero Sudar. Wenn auch nicht mehr auf die "natürliche, selbstverständliche Art" wie zuvor.

Die Reise nach Sarajevo zum Auftakt des neuen Jahres hat die Stelle für Interkulturelle Arbeit im Münchner Sozialreferat organisiert. Gefolgt sind der Einladung von Bürgermeister Hep Monatzeder Politiker aus dem Münchner Stadtrat und aus den Landtagsfraktionen – parteiübergreifend. Von der SPD nahmen Yasar Fincan und Isabell Zacharias teil, von der CSU der Münchner Fraktionschef Josef Schmid und Martin Neumeyer, der in der CSU-Landtagsfraktion die Arbeitsgruppe "Integration und Islam" leitet. Die Fraktionsvorsitzende der Landtags-Grünen, Margarete Bause, und die grüne Stadträtin Demirel Gülseren reisten mit, Nadja Hirsch und Georg Barfuß für die FDP, Michael Piazolo für die Freien Wähler. Wissenschafts- und Sozialministerium hatten je einen Abgesandten geschickt, ebenso das Bundesamt für Migration, Eugen-Biser- und Hanns-Seidel-Stifung, Münchner Muslimrat und der Muslimische Elternverein der Landeshauptstadt. Evangelische Landeskirche und Münchner Erzbistum waren mit ihren Referenten für Interreligiösen Dialog vertreten. Nur zwei Angefragte hatten darauf verzichtet, mitzukommen: die Israelitische Kultusgemeinde – und das Innenministerium.

Dabei birgt schon der Besuch in der jüdischen Gemeinde in Sarajevo eine erste Überraschung. Eine Pförtnerin sitzt am Eingang, sonst bewacht hier niemand die Synagoge und das kleine Gemeindezentrum, das zur Mittagszeit kostenlos Essen an rund 40 bedürftige Gemeindemitglieder ausgibt. Zudem unterhält die Gemeinde ein "Home-Care-Programm", das 500 Menschen, darunter auch viele Muslime, in Sarajevo versorgt – dank eines finanzkräftigen jüdischen Sponsors aus den USA. Seit 500 Jahren sei man Teil dieser Stadt, sagt der Gemeindevorsteher Boris Kozimjakin. Und man lebe hier "wie alle anderen Bürger auch" – Bedrohung oder Schmierereien an den Wänden habe es seit Ausbruch des Krieges in Gaza nicht gegeben. Und dann sagt Kozimjakin etwas, das für Münchner Ohren ungewohnt klingt: Die Juden in Sarajevo hätten während der Belagerung der Stadt in den 90er Jahren genauso gelitten wie die Muslime. "Wir können das Leid der zivilen Opfer in Gaza also gut nachvollziehen". Die Gemeinde bete dafür, dass die Kämpfe aufhören. "Was dort passiert, ist nicht hinnehmbar."

An den Krieg vor der eigenen Haustür fühlen sich dieser Tage, da das russische Gas ausbleibt, ohnehin viele Menschen in Sarajevo erinnert. Wer keine Elektroradiatoren ergattert hat, muss in seiner Wohnung frieren. Auch im Empfangszimmer des Großmuftis von Bosnien-Herzegowina, Mustafa Ceric, rattert eine alte Heizung. Ceric erzählt erst einmal einen Witz – und erklärt den verblüfften Zuhörern dann begeistert Adenauers Verständnis vom Staat-Kirche-Verhältnis. Der in Deutschland für seine Integrationsbemühungen geschätzte und mit Ehrungen überhäufte Ceric bekleidet innerhalb der islamischen Welt das einmalige Amt des "Reis ul-Ulema", des "Führers der Gelehrten". Der österreichische Kaiser Franz Joseph I. schuf das Amt 1878, weil er einen Ansprechpartner in der größten Bevölkerungsgruppe des Landes haben wollte. Von Anfang an war der Reis ul-Ulema der höchste religiöse Führer, gleichzeitig aber auch politischer Repräsentant der Muslime von Bosnien-Herzegowina, die seit dem Balkan-Krieg auch in der Stadt Sarajevo die Mehrheit stellen. Denn die meisten der orthodoxen Serben leben jetzt im zur Republika Srpska gehörenden Ost-Teil der Stadt.

Die Muslime in Deutschland, so das Credo von Ceric, brauchen einen Repräsentanten. "Damit sie jemanden haben, der für sie spricht." Man solle dies nicht als Bedrohung begreifen, sondern als Chance, "ein Gegengewicht zu radikalen islamischen Stimmen". Dabei weiß Ceric um die Stolpersteine auf dem Weg zur Institutionalisierung: die Zersplitterung der deutschen Muslime in unzählige Vereine, die um den Verlust ihrer eigenen Souveränität fürchten, die vielen Herkunftsländer, mit denen sich vor allem die erste Zuwanderergeneration identifiziert. "Richtet euren Blick auf die zweite und dritte Generation", empfiehlt Ceric den deutschen Gästen. Er hält es offenbar für ratsam, dass der deutsche Staat mit sanftem Druck den Muslimen zu ihrem Glück verhilft. Als sein Amt damals vom österreichischen Kaiser eingeführt worden sei, seien auch "80 Prozent der Muslime dagegen" gewesen, sagt Ceric. Heute sei das Amt voll akzeptiert.

Nun mag das Amt heute zwar unumstritten sein, der Amtsinhaber ist es nicht. Vor allem säkulare Bosnier halten Ceric vor, dass er sich zu stark in die Politik einmischt und seinen großen Einfluss nun auch nach außen durch den Bau einer teuren neuen Dienstsitzes dokumentieren möchte. Kurz nach Weihnachten gingen in Sarajevo Tausende auf die Straße, um dagegen zu protestieren, dass die muslimische Verwaltungsdirektorin der Kindergärten den Weihnachtsmann aus den staatlichen Kindertagesstätten verbannt, dafür aber islamische Unterweisung eingeführt hatte. Eine Neuerung, für die die Demonstranten Ceric verantwortlich machten. Das parteipolitisch unabhängige Wochenmagazin Dani karikierte den Großmufti denn auch mit weißem Rauschebart. Ceric nimmt solche Kritik einerseits gelassen hin: In seinem Empfangsraum steht gerahmt eine andere Dani-Karikatur. Nur: Interviews gibt er der Zeitschrift nicht.

Das Amt des Reis, das Ceric gern europaweit eingeführt sähe, taugt wegen der politischen Verquickung also wohl nur bedingt als Vorbild für Deutschland. Umso interessanter ist die Arbeit der Islamisch-Theologischen Fakultät von Sarajevo, die sich nach Kräften bemüht, ihre Studenten nach europäischem Standard – und unabhängig von der Einflussnahme islamischer Autoritäten – auszubilden. Die Fakultät, deren Geschichte bis ins 15. Jahrhundert zurückreicht, ist seit 2004 formal-rechtlich Teil der staatlichen Universität Sarajevo und damit ebenso strukturiert wie die Theologischen Fakultäten in Deutschland. Nicht nur dies sei europaweit einzigartig, sagt der Religionswissenschaftler Stefan Schreiner von der Universität Tübingen, die seit einem Jahr mit der bosnischen Uni kooperiert. Schreiner hebt auch hervor, dass die Fakultät sich von Anfang an am Bologna-Prozess, also an der Schaffung eines einheitlichen europäischen Hochschulwesens beteiligt habe – und das, obwohl Bosnien-Herzegowina nicht Teil, sondern Protektorat der EU ist.

Die Fakultät bietet nach einem achtsemestrigen Studium einen Bachelor in islamischer Theologie sowie in islamischer Religionspädagogik an. Zudem gibt es einen sechs Semester dauernden Studiengang für Imame und Prediger, Hatiben genannt. 1996 beschloss die islamische Gemeinschaft von Bosnien-Herzegowina, dass alle Imame einen akademischen Abschluss haben müssen. Auch Imame, die bereits im Berufsleben stehen, müssen sich nachqualifizieren. Männer und Frauen studieren in dem schönen neomaurischen Gebäude am Rande der Altstadt von Sarajevo gemeinsam. Die Frauen werden nach Abschluss ihres Studiums meist Religionslehrerinnen oder gehen als Religionsgelehrte in islamische Einrichtungen. Viele der hier ausgebildeten Imame wandern allerdings, weil sie in Bosnien keine Anstellung finden, in die "Diaspora" aus, wie es Dekan Ismet Busatlic ausdrückt: nach Kroatien, Slowenien, Österreich, Deutschland, aber auch in die USA und nach Australien.

Keine Einflussnahme
Die Professoren der Islamisch-Theologischen Fakultät beteuern, dass weder der Großmufti noch irgendwelche ominösen saudischen Geldgeber, nach denen die Reiseteilnehmer fragen, Einfluss auf die Studieninhalte nehmen. Der Emir von Katar habe zwar den Wiederaufbau des im Krieg zerstörten Gebäudes finanziert, "aber das war"s dann auch", sagt der Dekan. Die meisten der knapp 30 ordentlichen Professoren haben einen Abschluss sowohl an einer bedeutenden islamischen als auch an einer europäischen Universität. Zum Curriculum gehört eine Einführung in jüdische und christliche Theologie, gehalten von jüdischen und christlichen Gastprofessoren. Die Fakultät bietet zudem einen Vier-Monatskurs in "Islamic-Studies" in englischer Sprache an, der sich unter den ausländischen Diplomaten in der Stadt großer Beliebtheit erfreut. Der Tübinger Professor Schreiner preist die Fakultet islamskih nauka in Sarajevo denn auch als "bedeutendste Stätte höherer islamischer Bildung, Ausbildung, Forschung und Lehre" in Europa. Schade sei nur, dass sie in der "westlichen Welt" praktisch kaum wahrgenommen werde. Aber das kann sich ja ändern. Der Koran-Experte Enes Karic jedenfalls, der an der Fakultät lehrt, ist derzeit Allianz-Gastprofessor an der Universität München (LMU).

Am Ende der Reise stehen keine greifbaren Beschlüsse. Die Politiker wollen sich erst "rückkoppeln" mit der eigenen Partei. Dass der Staat sich Gedanken machen muss über eine Hochschulausbildung für Imame, dass auch er eine Bringschuld hat beim Thema Integration, darin sind sich jedoch alle einig. Er stehe dem Projekt von Idriz und der Ausbildung von Imamen in München an sich "sehr aufgeschlossen gegenüber", resümiert CSU-Mann Josef Schmid. Nun müsse man das Projekt mit "Realitätssinn und Gründlichkeit" vorantreiben.

Bürgermeister Monatzeder will zeitnah zu einem Treffen ins Rathaus einladen, wo Idriz Gelegenheit erhalten soll, sein Projekt vorzustellen. Danach will man die wirklich schwierigen Fragen angehen: Wollen wir ein modifiziertes Konzept? Wer übernimmt die Trägerschaft – und, vor allem: wer zahlt?

Quelle: www.sueddeutsche.de/158387/254/2715567/Zuhoeren-statt-abhoeren.html