Stellung der Frau innerhalb von MFI

MFI setzt sich für die Gleichberechtigung von Mann und Frau ein. Mann und Frau sind vor Gott absolut gleichwertig. Frauen sind in ihrem Handeln und Wirken ebenso mündig wie Männer. Frauen haben das Recht am gesellschaftlichen Diskurs teilzuhaben, das Recht zu Lernen und zu Lehren, das Recht auf finanzielle und soziale Unabhängigkeit, das Recht zu wählen und gewählt zu werden, das Recht auf Selbstbestimmung. Jede Form von Verletzung, sei es körperlich, psychisch oder mental, ist auf das Schärfste zu verurteilen. Zwangsehen, so genannte Ehrenmorde und familiäre Gewalt haben keinerlei Grundlage in der Religion. Ein wesentliches Kriterium für die Verbesserung der Sozialisation der Frau und für ihre gleichberechtigte Aufnahme auch in die hiesige Gesellschaft ist ihre Einbindung in unterschiedlichste Bereiche des öffentlichen Lebens. Das aktive und sichtbare Mitwirken der muslimischen Frau, zunächst verstärkt innerhalb der islamischen Community und weiter getragen in die hiesige Struktur, wird ausschlaggebend sein für die Entwicklung unserer gemeinsamen, zukünftigen Gesellschaft. Hier setzt MFI dezidiert einen seiner Schwerpunkte und möchte den auf Frauenfragen zentrierten Tabuthemen mit Lösungsvorschlägen und durchdachten Arbeitsprogrammen entgegentreten.

Gerade in Europa, auch in Deutschland, müssen Muslime auf allen Ebenen verstärkt und federführend neue Antworten suchen und bereitstellen. Ganz vorne steht in dieser Hinsicht die Auseinandersetzung mit dem Thema Frau im Islam. Aus traditionell praktisch ausschließlich männlicher Perspektive interpretiert, haben Kommentare zu Koran und Hadith (das Wort, die Anweisung und das Tun des Propheten) immer wieder zu frauenfeindlichen Diskursen und zur Missachtung von Gleichheitsprinzipien geführt. Es muss nun, wie dies in der Diskussion im Westen und zunehmend nun auch im Osten geschieht, die Perspektive der Frau in den Vordergrund rücken. Die 58. Sure des Korans trägt den Titel al-Mudschadileh, „die debattierende Frau“ (oder: al-Mudschadalah, „die Debatte“). Er geht zurück auf eine Diskussion zur Zeit des Propheten Muhammad, die von einer Frau eingebracht und angeregt worden war, woraufhin das zugrunde liegende Problem gelöst werden konnte. Dank ihrer eigenen Initiativen wird sich die Stellung der Frau in der Gesellschaft Tag für Tag weiter verbessern, und je mehr sie sich verbessert, desto schneller wird auch die Integration voranschreiten. Der Islam ist eine zeitgemäße Religion, zu dem das im Lauf der Zeit entstandene, rückständige Image der Frau in eklatantem Widerspruch steht. Von der Feststellung des Propheten Muhammad ausgehend: „die Frauen sind die Schwestern der Männer“, können die Musliminnen und Muslime der neuen europäischen Generation, in den Gemeinden beginnend, der Frau in der Gesellschaft zu ihrer verdienten, führenden Rolle verhelfen.

Durch Bildung und Erziehung müssen vorhandene Tabus überwunden werden. In den Moscheen müssen Themen wie Klassenfahrten, Schwimmunterricht, Liebe, Partnerwahl, Polygamie, Erbrecht, Scheidungsrecht, Bedeckung, gesellschaftliche Teilhabe, Leitungsanspruch, Diskriminierung und Gleichstellung zwischen Mann und Frau, Gewalt in der Familie, so genannte „Ehrenmorde“ und viele andere Frauen- und Familienfragen offensiv in Vorträgen, Seminaren und Konferenzen angegangen werden. So wie es zur Zeit des Propheten Muhammad der Fall war, müssen solche Themen nach dem Vorbild der Sure „die Debatte“ heute und morgen objektiv und öffentlich in den Gemeinden diskutiert werden.