Die Sorgen der Bevölkerung sind nicht loszulösen von dem nach wie vor verbreiteten, negativen Image der Muslime: Zum einen wird „Islam“ von Vielen als problematisch für europäisches Werteverständnis und die deutsche Gesellschaftsordnung wahrgenommen. Und zum anderen gelten Muslime noch immer weitestgehend als „fremd“ und, trotz in Bayern geborener Generationen, kaum als beheimatet.

MFI möchte hier gegensteuern und einen so dringend notwendigen, effektiven Beitrag leisten, um die weitere Entwicklung auf für alle Seiten verträglichere Bahnen zu lenken.

MFI möchte zur Klärung seiner Stellung innerhalb des nahezu unüberschaubaren Spektrums offener Fragen über den Islam und die Muslime zu folgenden Punkten Position beziehen:

Reformgedanke: Der Islam bestärkt und fördert in seiner Kernbotschaft die ständige Suche nach Wissenschaftlichkeit und in seinem Bildungsgebot den immer währenden Fluss der Aufklärung und der Dynamik seiner Spiritualität.
Dies verpflichtet uns, Musliminnen und Muslime in Europa, zu einem ernsthaften Prozess der geistlichen Umstrukturierung. Die eigene Identität steht unmittelbar zur Debatte. Wir bedürfen einer Bestimmung unseres Verhältnisses zur Welt und zu der Gesellschaft, für die wir uns entschieden haben und mit der wir uns identifizieren.

Dabei geht es nicht um ein Aufgeben der religiösen Identität, sondern darum, im Einklang mit der Umgebung überzeugter, praktizierender Muslim und gleichzeitig angekommener Europäer zu sein. Das ist Voraussetzung und notwendig, denn es geht hier um unsere konstruktive Verantwortung für die hiesige Gesellschaft – also darum, als engagierte Bürgerinnen und Bürger muslimischen Glaubens für ein friedliches Zusammenleben in Pluralität einzutreten, für soziale Gerechtigkeit, für Menschenwürde, für Bildung und Erziehung und für unseren gemeinsamen Rechtsstaat.

Muslim sein in Europa bedeutet, die Offenbarung auf den Kontext des Hier und Jetzt zu projizieren, sie offen und dynamisch zu verstehen. Im Verbalen und Nonverbalen, im Handeln und im Tun, bedürfen wir einer durchgreifenden Reform, um die Normen und Werte des Islam auf das Hier und Jetzt abzustimmen ohne dabei seinen Geist zu verletzen.

Zwischen Muslimsein und Bürgersein darf kein Widerspruch bestehen! Der Islam fordert eine auf die Gesellschaft und auf die Gemeinschaft hin ausgerichtete Identität und verlangt von seinen Anhängern, sich aktiv am gesellschaftlichen Leben zu beteiligen.

Gesunde Integration: Der Islam verpflichtet seine Anhänger, die Gesellschafts- und Staatsordnung nicht-islamischer Länder zu respektieren.
Die Interaktion mit der Mehrheitsgesellschaft ist religiöser Anspruch jedes Muslims. Persönliche Bereitschaft zur Partizipation und die Mitverantwortung für das gesellschaftliche Gefüge, sind Grundprinzipien.

Muslime sind verpflichtet, ihren Kurs in religiösen Angelegenheiten stets neu zu formieren und zu überdenken. Eine klare Differenzierung zwischen Religion und Tradition ist dabei Voraussetzung für eine konstruktive Integration.

Musliminnen und Muslime sind verpflichtet, sich aktiv auf allen Ebenen des sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und politischen Geschehens bereichernd einzubringen.

Der Zugang hierfür führt über die deutsche Sprache. Ihrem Erwerb muss folglich allererste Priorität zukommen. Denn nur wer die Sprache beherrscht, kann sich auch als in der Gesellschaft angenommen und anerkannt fühlen und dazuzählen.

Die Rolle und die Stellung der Frau hervorheben: Mann und Frau sind vor Gott absolut gleichwertig.
Frauen sind in ihrem Handeln und Wirken ebenso mündig wie Männer. Frauen haben das Recht am gesellschaftlichen Diskurs teilzuhaben, das Recht zu Lernen und zu Lehren, das Recht auf finanzielle und soziale Unabhängigkeit, das Recht zu wählen und gewählt zu werden, das Recht auf Selbstbestimmung.

Jede Form von Verletzung, sei es körperlich, psychisch oder mental, ist auf das Schärfste zu verurteilen. Zwangsehen, so genannte Ehrenmorde und familiäre Gewalt haben keinerlei Grundlage in der Religion. Jede Frau ist selbst mündig für ihre Entscheidung zum Kopftuch. Das Tragen dieses Kleidungsstückes darf nicht Symbol für Unterdrückung und Zwang, und darf nicht politisches Zeichen für eine extremistische Ausformung des Islam sein.

Eine stärkere Differenzierung zwischen Religion und Tradition ist notwendig, da die Tradition häufig Frauen benachteiligt und dies fälschlich dem Islam als Religion zugeschrieben wird.

Auch innerhalb der muslimischen Gemeinschaft besteht hier akuter Aufklärungs- und Handlungsbedarf. Mehr Bewusstseinsbildung gegen den Missbrauch von Religion muss gefördert werden. Gerade im Bereich Ehe und Familie müssen neue Wege der Moderne aufgezeigt werden, die im Einklang mit theologischem Grundverständnis ohne Zweifel bestehen.

Frauen genießen im Islam vorzügliche Rechte, deren Einforderung nicht Theorie bleiben darf. Es gilt hier, sie in allen Ausprägungen umzusetzen. Ein wesentliches Kriterium für die Verbesserung der Sozialisation der Frau und für ihre gleichberechtigte Aufnahme auch in die hiesige Gesellschaft ist ihre Einbindung in unterschiedlichste Bereiche des Lebens. Mehr Teilhabe und öffentliche Einbringung muslimischer Frauenperspektiven ist gefordert.

Hier setzt MFI dezidiert einen seiner Schwerpunkte und möchte den auf Frauenfragen zentrierten Tabuthemen mit Lösungsvorschlägen und durchdachten Arbeitsprogrammen entgegentreten. Alleine mit der Integration der muslimischen Frau in die alltägliche Gesellschaftsordnung werden Wege für ein kollektives Verständnis des existenziellen Miteinanders gebahnt.

Extremismus: Der Kernsatz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, steht am Anfang des Grundgesetzes. Der Schutz menschlichen Lebens und seiner Würde ist auch Glaubensfrage und zugleich Existenzfrage in einer menschenwürdigen Gesellschaft. Diese Erkenntnis teilt unsere Verfassung mit dem tradierten Werteverständnis der monotheistischen Religionen, die den Generationen vor uns Orientierung boten. Den drei großen Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam gilt jedes menschliche Leben als heilig, d.h. als einzigartig und unantastbar. Der Koran sieht den Menschen als Stellvertreter Allahs. Ein Menschenleben ist daher unendlich kostbar. Wenn einer ein Menschenleben rettet, so heißt es im Koran, „ist es, als hätte er die gesamte Menschheit gerettet.“

Der Islam stellt das Leben als höchste Gabe Gottes an seine Geschöpfe dar, deshalb steht auch jede Form von Selbstmord im Widerspruch zum Grundsatz des geheiligten Lebens.

Die Vereinbarkeit der demokratischen Gesellschaftsordnung und der Rechtsstaatlichkeit mit dem Islam muss deutlich unterstrichen werden.

Zur religiösen Pflicht jedes Muslims gehört es, sich aktiv für den Frieden und für die Sicherheit des Landes und seiner Bevölkerung einzusetzen, in dem er lebt.

Wir verurteilen alle extremistischen und fundamentalistischen Gewaltakte auf der Welt. Sie dienen zu nichts anderem, als dazu, Religion zu Gunsten eigener Machtinteressen auszunutzen.

Dass es zum Rechtstaatlichkeit, Gerechtigkeit, Frieden, Toleranz und damit zum Dialog keine Alternative geben kann, gehört zu unserem islamischen Selbstverständnis. Genauso wie die Wahrung der Sicherheit und der Ordnung des Landes, in dem wir leben, hierzu zählen. Individuelle und gesellschaftliche Ursachen von Rassismus, Antisemitismus, Islamophobie und jegliche Art von Xenophobie, werden nur dann erfolgreich besiegt, wenn wir zusammen und mit gemeinsamem Interesse daran arbeiten. Auch darauf zielt das Projekt vom MFI ab.