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05. Feb 2014 | Allgemein, München

Genau das wollen wir auch in München haben

5. Feb 2014 | Allgemein, München

Benjamin Idriz ist ein stolzer Gastgeber. Er führt durch sein Gemeindezentrum in Penzberg, zeigt die Moschee mit der wunderbaren blauen Glaswand, vor der er, der Imam, predigt. Er geht in sein Büro, es ist winzig, „so klein wie ich“. Idriz, 41, kocht bosnischen Kaffee, dann bittet er in den Besprechungsraum. „Diwan“ steht am Türschild, darin bequeme Sessel. Hier diskutieren sonst er und seine Mitstreiter, wie es weitergeht mit ihrem großen Plan, dem „Münchner Forum für Islam“.

SZ: In letzter Zeit ist es ruhiger geworden um Sie und Ihr Projekt.
Benjamin Idriz: Wir arbeiten weiter wie immer, ich führe viele Gespräche.

Öffentlich spricht vor allem Michael Stürzenberger, der Islamfeind, über Sie. Es wirkt, als wären Sie in einer Dauerdefensive.
Diese Agitation ist scheußlich. Sie vergiftet die ganze Gesellschaft und raubt uns Kraft und Energie.

Gehen in Penzberg auch die Leute gegen Sie auf die Straße?
Hier gibt es keinen Islamhass in der Öffentlichkeit. Weil die Moschee nicht nur Extremismus in der Gemeinde verhindert, sondern auch bewirkt, dass in der Gesellschaft kein Klima der Angst vor dem Islam entsteht. Das kommt durch unsere offene Arbeit. So zeigen wir, dass wir Bestandteil der Gesellschaft sind, ein Ort, wo sich die Menschen begegnen und über alle Fragen offen reden. So ein Ort fehlt in München. Stattdessen läuft dort die heftigste Kampagne gegen Muslime in ganz Deutschland.

Haben Sie Sorge, dass Ihnen der Atem ausgehen könnte?
Für mich stand nie in Frage aufzugeben.

Sie könnten sich ganz auf Penzberg konzentrieren, Ihr Leben wäre viel ruhiger.
Ich werde weiter machen, solange ich den Willen der Politik spüre, dass das Projekt erwünscht ist. Aber es muss Fortschritte in einer absehbaren Frist geben. Ich kann nicht noch zehn Jahre investieren, und am Ende ist gar nichts da.

Was heißt das?
Ich will es noch eine Wahlperiode lang versuchen, dann mit einem neuen Oberbürgermeister.
Sechs Jahre also noch. Ich will, dass der kommende Oberbürgermeister zur Einweihung in die Moschee kommt. Das war eigentlich auch mein Wunsch an Christian Ude.

Was nicht geklappt hat.
Ude hat unser Projekt zwar immer unterstützt, aber er hat es nie zur Chefsache gemacht. Anders als das Moscheeprojekt in Sendling, wo sich Ude persönlich eingebracht hat – ohne Ergebnis. In unserem Fall hat er die Zuständigkeit an den dritten Bürgermeister Hep Monatzeder abgetreten. Bis wir gemerkt haben, dass nicht Monatzeder die Entscheidungen trifft, sondern dass Ude das letzte Wort hat.

Sie klingen enttäuscht.
Ich bedauere, dass es noch kein Ergebnis gibt. Ich habe von Ude mehr erwartet. Er hat uns 2007 an Monatzeder verwiesen. Seitdem haben wir intensiv mit Hep Monatzeder gearbeitet, ihn und seine Mitarbeiter oft getroffen. Und es war seine Idee, uns das Grundstück in der Herzog-Wilhelm-Straße anzubieten. Darauf haben wir uns fokussiert, viel Zeit und Geld investiert. Bis wir 2013 von Ude und anderen im Stadtrat zu hören bekamen: Das Grundstück käme nicht in Frage.

Weil eine Moschee innerhalb des Altstadtrings politisch nicht erwünscht ist.
Dabei war es die Stadt, die den Vorschlag gemacht hat.

Das offizielle Argument gegen den Standort lautet: Sicherheitsgründe.
Dafür habe ich ja Verständnis. Wir waren auch nicht ganz so begeistert von der Aussicht, eine Tiefgarage unter uns zu haben. Denken Sie an Norwegen, an den NSU-Terror, an diejenigen, die derzeit in München das Klima vergiften und den Boden bereiten für Verrückte! Aber die zentrale Lage, im Verbund mit Kirchen und Synagoge, wäre ideal gewesen. Mitte 2013 haben wir dann Abschied genommen von der Altstadt und nach einer Alternative gefragt. Seither warten wir auf Antwort.

Es gibt noch keinen Vorschlag?
Nein. Die Stadt hat von uns ein Raumprogramm verlangt. Das haben wir im Oktober eingereicht.

Und was ist mit dem Areal an der Dachauer Straße, das immer genannt wird?
Das finden offenbar alle Parteien gut, aber wir müssen wissen, wo genau das wäre. Solange wir keine konkrete Parzelle haben, werden wir keinen Finanzier finden. Ude hat gesagt: Sobald die Bagger kommen, wird der Protest verstummen. Aber wo sollen die Bagger baggern und wer soll sie bezahlen? Wir haben grundsätzlich Sponsoren gefunden, die sagen aber: Zeigen Sie uns das Grundstück und wie das Projekt aussieht. Aber ohne Grundstück kann kein Architekt einen Entwurf machen.

Liegt die Schuld, dass nichts vorangeht, nur bei der Stadt?
Ich habe falsch eingeschätzt, dass Ude alle Entscheidungen in Händen hält. Ich hätte vielleicht noch mehr den Kontakt zu ihm suchen müssen. Der künftige OB sollte sich nicht davor scheuen, was in anderen Städten selbstverständlich ist. (Idriz steht auf und holt Fotos.) Schauen Sie, das war im Mai in Rijeka, im sehr katholischen Kroatien, die Eröffnung der neuen Moschee, mit dem Staatspräsidenten, dem Bürgermeister, sie haben alle mitgeholfen, weil ja auch die Stadt von der Moschee profitiert. Dann, im September, Ljubljana: Ministerpräsident, Bürgermeister, Kardinal. Finanziert wurde die Moschee dort von Katar, und der slowenische Präsident hat dazu zuvor mit dem Emir gesprochen. Deshalb verstehe ich die Politiker in München nicht.

Sie spielen darauf an, dass die Stadtspitze einen Termin in Katar nicht wahrgenommen hat.
Ich vergesse nie diesen Termin: 6. Mai 2012, 11 Uhr. Der Emir hatte die Stadtspitze eingeladen, nachdem ihn Monatzeder darum gebeten hatte. Und dann suchen die Politiker nach Argumenten, um nicht hinzufliegen.

Der offizielle Grund war, dass Monatzeder im Krankenhaus lag.
Nicht zu fahren war ein schwerer diplomatischer Fehler. Hätte das Gespräch stattgefunden, wären wir heute viel weiter. Aber dann kam die Landtagswahl, dann die Bundestagswahl . . .

. . . jetzt die Kommunalwahl, dann die Europawahl.
Warum müssen wir bei einem islamischen Projekt immer an Wahlen denken? Das bedauere ich zutiefst. Muslime, die unser Projekt von außen verfolgen, sagen: Die Stadt spielt mit euch. Ich persönlich versuche sie dann zu überzeugen, dass es die Stadt ehrlich meint.

Sie drücken sich immer noch diplomatisch aus, aber Sie wirken stinksauer.
(Pause. Idriz schenkt sich Kaffee nach.)
Ich bin nicht sauer, aber ich bedauere, dass wir so viel Zeit verloren haben, so viel Energie investiert haben – und es ist nichts dabei herausgekommen, außer hyperventilierenden Rechtspopulisten. Vom neuen OB erhoffe ich etwas Konkretes. Wenn er bereit ist, uns kräftig zu unterstützen, werden wir weitermachen.

Klingt nach einem Ultimatum.
Wann noch mal sind die Europawahlen?

Im Mai.
(Lacht.) Bis Mai werden wir also kein Angebot bekommen. Ich habe ja Geduld. Auch wenn es bis Ende des Jahres dauert.

Und dann?
Wenn wir in absehbarer Zeit noch nichts haben, werden wir das erst mal intern diskutieren und dann entscheiden. Gut möglich, dass wir dann nicht weitermachen. Einmal muss eine definitive Antwort kommen. Ja oder nein. 2010 haben alle Parteien im Stadtrat formuliert, dass es Aufgabe der Stadt ist, uns bei diesem Projekt zu unterstützen, auch bei der Grundstücksfrage.

Warum haben Sie nicht schon längst von Privaten etwas gekauft?
Wegen der Zusage der Stadt. Da wollte ich nicht parallel woanders suchen, obwohl wir einige Angebote bekommen haben. Die habe ich alle abgelehnt.

Warum ist Ihnen ein städtisches Grundstück so wichtig?
Wir würden es auch von der Stadt nicht geschenkt bekommen, aber natürlich sind private Grundstücke teurer. Und ein Geldgeber ist leichter zu finden, wenn das Grundstück von der Stadt kommt. Das wäre auch ein Statement.

Ude hat im Sommer sinngemäß gesagt: Idriz darf nicht erwarten, dass die Stadt ihm Sponsoren besorgt.
Das machen wir ja auch selbst, und das hat sehr viel Energie und Geld gekostet. Zunächst haben wir uns um Kontakt zum Emir bemüht. Er hat daraufhin eine Delegation nach München geschickt. Wir haben das alles geschafft, ich habe mit dem Emir persönlich gesprochen. Wir wollten dann nur, dass die Stadtspitze auch einmal mit dem Emir spricht. Auch die Penzberger Stdatspitze ist ins Emirat Schardscha geflogen. Und der OB von Wolfsburg war auch in Schardscha, das gehört nun mal zur Diplomatie. Es ist doch selbstverständlich, dass für den Emir als Staatsmann der Kontakt zum OB wichtig ist. Der will von ihm nur hören, ob wir, die wir das Projekt verfolgen, gut oder gefährlich sind.

Der Münchner OB müsste nur sagen: Die Stadt unterstützt das Projekt, und der Imam Idriz, der ist okay.
Genau. Er soll ja nicht um Geld bitten. Der Emir will nur eine Einschätzung durch die Stadt hören. Das ist Diplomatie. Und im Orient gehört es sich, dass man sich dazu persönlich begegnet.
Das Ansehen Katars ist schlecht. Alle Welt spricht seit Monaten von den unsäglichen Bedingungen, unter denen dort Arbeiter aus anderen Ländern leiden.
Katar hat in den letzten Jahren so viel Geld in Deutschland investiert, aber das stört anscheinend nicht. Nur wenn es um ein islamisches Projekt geht. Diesen Doppelstandard verstehe ich nicht. Ich selbst will nur die religiöse Lage beurteilen. Katar ist das einzige arabische Land mit einem Zentrum für interreligiösen Dialog. An dessen Konferenzen nehmen auch Rabbiner teil, auch aus Israel. In Katar steht auch die größte Kirche im arabischen Raum.

Die deutsche Öffentlichkeit spricht aber über die toten Bauarbeiter und mancher fragt sich: Von dem Staat soll sich München eine Moschee schenken lassen?
Wenn diese Berichte zutreffen, ist das ganz unerträglich! Ich verstehe nur nicht, warum man dann nicht die Investitionen Katars in deutsche Großkonzerne in Frage stellt. Bei einer Moschee aber nehmen manche das offenbar dankbar als Einwand.

Müssen Sie durch die Katar-Kritik nicht auch fürchten, dass Ihr Projekt an Rückhalt in der Bevölkerung verliert?
Da mache ich andere Erfahrungen, gerade in Penzberg. Unsere Moschee hat großteils der Emir von Schardscha finanziert, und dort ist die Lage wohl nicht wesentlich anders als in Katar. Wer aber fragt heute danach? Der Emir hat ja auch nie Einfluss auf uns genommen. Das wäre bekanntlich auch Voraussetzung für Geld aus Katar.

Ist München tatsächlich reif für eine schöne, repräsentative Moschee?
Tausende aus München, aus allen Religionen, haben uns in Penzberg besucht und gesagt: Genau das wollen wir auch haben. Es gibt natürlich auch Menschen, die skeptisch sind. Aber sobald wir sichtbar sind, wird diese Skepsis verschwinden.

Ihre Webadresse lautet „islam-muenchen.de“. Das wirkt etwas großspurig. Man könnte meinen, Sie repräsentieren alle Muslime in München.
Diesen Anspruch haben wir nicht. Wir wollen mit der Adresse rüberbringen, dass wir uns mit München identifizieren. Wir sind natürlich nicht die einzigen Vertreter des Islams, wir sind nur ein Element der muslimischen Community, eines von vielen. Es besteht keine Konkurrenz zu den anderen.

Sie sind ständig in der Presse, beim Emir, im Rathaus, wollen ein herausragendes Zentrum bauen. Wird da ein Imam einer Hinterhofmoschee nicht neidisch?
Jeder macht seinen Job, und ich bleibe dabei: Ich bin nur einer von vielen. Die Imame sagen ganz offen: Machen Sie weiter, wir haben diese Kraft nicht, haben selbst genügend Aufgaben, die Dialogarbeit ist nicht unser Schwerpunkt. Viele begrüßen aber unser Projekt.
Davon hat man bisher aber öffentlich nicht viel mitbekommen.
Rückblickend hätte ich früher und intensiver den Kontakt zu anderen Gemeinden suchen sollen. Dass einige jetzt ihre Unterstützung zugesagt haben, freut mich sehr.

Sind Sie nicht ein doppelt Fremder? Sie sind kein Münchner Imam, und kommen nicht aus der Türkei wie die meisten Muslime.
In bin jede Woche in München. Und alle Türken wissen, dass ich zur türkischen Minderheit gehöre, Türkisch spreche, auch daheim. Ich bin ein Europäer, ein Weltbürger. Ich identifiziere mich weder mit dieser noch jener Sprache. Religion hat keine Nationalität. Die meisten Moscheegemeinden sind ethnisch geprägt, darunter leidet die junge Generation. Was wir hier in Penzberg machen, das Miteinander der Nationalitäten und Religionen, ist ein Modell für viele Gemeinden. Wir werden die einzige Moschee sein, die ausschließlich in Deutsch kommuniziert: Verwaltung, Predigt, Religionsunterricht. Die neue Generation sucht nach solchen Adressen.

Wollen denn auch deutsche Muslime bei der Finanzierung Ihres Plans mithelfen?
Sie sind dazu bereit, das höre ich immer wieder. Neulich hat mir ein Mann, dessen Bruder gerade gestorben war, gesagt: Wenn Sie das Grundstück haben, melden Sie sich, ich gebe 10 000 Euro. Und der Mann lebt nicht mal in München. Um eine Spendenaktion zu starten, brauchen wir aber ein Grundstück und einen konkreten Architektenentwurf. Dann werden wir auch an die großen deutschen Firmen herantreten. Wir sind nicht auf einen einzelnen Sponsor fixiert.

Wie sieht Ihre Vision für München in, sagen wir, zehn Jahren aus?
Wir Muslime leiden unter dem, was in der islamischen Welt schief läuft. Islamophobie hat viele Gründe, die wir als Muslime leider mit verursachen. Wir selbst können aber unser Image verbessern, unser Projekt wird auch das Gesicht von München verändern. München wird international noch bekannter als Standort für interreligiösen Dialog. München wird stolz auf seine Moschee sein, und die Muslime werden ihr Image verbessern. Wir müssen unser Islamverständnis hinterfragen. Das geht nur in einer Einrichtung, in der frei diskutiert wird und jeder erlebt, dass Islam und die Werte unserer freien und modernen Gesellschaft sehr wohl zueinander passen.

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Wir müssen zwischen den beiden Titeln Imam und Vorbeter differenzieren. Ein Vorbeter ist derjenige, der, meist von der muslimischen Gemeinde ernannt, das Gebet lediglich leitet, was im Prinzip ein Jeder-kann-es-machen-Verständnis impliziert.

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Allahs Gesandter Muhammed, sallallahu alaihi wa sallam, ermutigte die Frauen, in der Öffentlichkeit Präsenz zu zeigen, und forderte sie auch dazu auf. So verlangte er, dass Frauen an allen Gemeinschaftsgebeten teilnahmen.

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Die Offenbarung des Korans hat die Männer gelehrt, die Mutter, Ehefrauen, Töchter, Schwestern und alle Frauen zu achten und zu respektieren. Den Eltern, damit auch der Mutter, räumt der Koran den höchsten Grad an Achtung nach Gott selbst ein.

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Die berühmte „Charity Week“ von Islamicrelief kommt nach München! Dieses Jahr in Form eines „Cake Day‘s.“

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