Interreligiöser Dialog

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Interreligiöse Bildungsreise nach Bosnien-Herzegowina

10. Nov. 2025 | Interreligiöser Dialog

02. – 09. November 2025

Vom 2. bis 9. November 2025 fand eine interreligiöse Bildungsreise nach Bosnien-Herzegowina statt. Begleitet wurde die Gruppe von Kirchenrätin Mirjam Elsel (Beauftragte für den Interreligiösen Dialog der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern), Gönül Yerli (Vizepräsidentin der Islamischen Gemeinde Penzberg), Jasmina Sarač-Hodžić (Muslimisches Bildungswerk Bayern) und Imam Belmin Mehić (Münchner Forum für Islam).

Ziel der Reise war es, Einblicke in das religiöse Leben und die Formen des interreligiösen Dialogs in Bosnien-Herzegowina zu gewinnen. Die Gruppe besuchte die Städte Mostar, Sarajevo und Srebrenica.

Mostar

In Mostar kam es zu Begegnungen mit dem Hauptimam Dino Maksumić und dem orthodoxen Pfarrer Duško Kojić, Paroh (Priester) der serbisch-orthodoxen Gemeinde. Beide berichteten über ihre Arbeit und die Situation der Religions­gemeinschaften in Mostar.

Die Teilnehmenden besuchten außerdem das orthodoxe Kloster Žitomislići, wo ein evangelischer Impuls stattfand, sowie das Derwisch-Kloster in Blagaj, in dem ein muslimischer spiritueller Beitrag gehört wurde.

Ein besonderer Programmpunkt war der Besuch des Dječiji vrtić Sunce, einer von der Diakonie getragenen Kindertagesstätte in Mostar. Dort erhielten die Teilnehmenden Einblicke in die frühkindliche Bildung und den pädagogischen Alltag in einer Einrichtung, die Kinder aus multiethnischen Familien gemeinsam betreut. Die Begegnung mit dem engagierten Personal verdeutlichte, wie wichtig gemeinsames Lernen und Miteinander bereits im frühen Alter für den gesellschaftlichen Zusammenhalt sind.

Sarajevo

In Sarajevo standen Begegnungen mit religiösen und akademischen Einrichtungen im Mittelpunkt. Die Gruppe besuchte die Organisation PROGRES, die Islamische Fakultät sowie die Katholisch-Theologische Fakultät.

Darüber hinaus nahmen die Teilnehmenden an religiösen Feiern verschiedener Glaubens­gemeinschaften teil: am Freitagsgebet in einer Moschee, am Schabbat in der Synagoge und am Sonntagsgottesdienst in einer baptistischen Gemeinde.

In den Gesprächen wurde deutlich, mit welchen politischen und gesellschaftlichen Heraus­forderungen das Land in der post­kriegs­zeitlichen Phase weiterhin konfrontiert ist und wie religiöse Akteure versuchen, in diesem Umfeld Brücken zu bauen und Perspektiven für ein friedliches Zusammenleben zu stärken.

Srebrenica

Ein weiterer wichtiger Programm­punkt war der Besuch in Srebrenica. Im Memorial­zentrum Potočari nahmen die Teilnehmenden an einer Führung durch die Gedenkstätte teil und hörten Berichte über die Ereignisse des Genozids von 1995. Der Besuch war für viele ein tief bewegender Moment, der die Auseinander­setzung mit Fragen von Verantwortung, Erinnerung und menschlichem Leid vertiefte.

Die Bildungsreise vermittelte vielfältige Eindrücke und Begegnungen, die den Teilnehmenden neue Perspektiven auf das religiöse und gesellschaftliche Leben in Bosnien eröffneten. Die Gespräche, Eindrücke und persönlichen Erfahrungen werden sie noch lange begleiten und prägen – als Impulse für ihre Arbeit im interreligiösen Dialog und für das eigene Nachdenken über Frieden, Zusammenleben und Verantwortung.