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23. Mrz 2019 | Pressemitteilungen

Mahnwache gegen antimuslimischen Terror

23. Mrz 2019 | Pressemitteilungen

MAHNWACHE, München 24.03.2019 – organisiert von Muslimrat München

Die Rede von Imam Dr. Benjamin Idriz
Vorsitzender des Münchner Forum für Islam

Wann und wo immer unschuldige Menschen sterben, aus blindem Hass von Menschen ohne Menschlichkeit ermordet, dann ist es, wie wenn die ganze Welt vernichtet wird. So lehrt es der Koran, und er unterscheidet dabei nicht zwischen Religionen oder Ethnien.

Die Trauer über die Opfer jenes schwarzen Tages in Neuseeland ist grenzenlos. In vielerlei Hinsicht. Das Leid der Opfer spüren wir über den ganzen Globus hinweg in unserer Seele. Wir bitten Gott, dass Er in seiner Barmherzigkeit, die erst recht grenzenlos ist, den Hinterbliebenen Kraft schenkt in ihrem Glauben und für ihr weiteres Leben! Wir bitten Ihn, die Verletzten zu heilen, Ihnen beizustehen, damit sie ihre körperlichen und ihre seelischen Wundern verschmerzen und verkraften können. Damit alle weiterleben können und trotz dieser Erfahrung weiter an den Frieden in der Welt und das Miteinander glauben können und dazu beitragen werden. Das kann nur Gott möglich machen.

Wir haben seit jenem schwarzen Tag neben dem Schmerz und der Trauer auch viel Gutes und Ermutigendes erlebt. Wir haben gesehen, wie das Land Neuseeland trauert. Wie eine Premierministerin tief bewegt öffentlich den Propheten Mohammed zitiert, wie die Regierung jenes westlichen Landes den dort lebenden Muslimen zuruft: „Ihr seid wir!“ Ohne Wenn und Aber.

Wie ein ganzes Land glaubwürdig zu verstehen gibt, dass es wirklich keinen Unterschied macht zwischen Angehörigen der Religionen. Durch eine überwältigende Welle glaubwürdiger, engagierter Zeichen, Bilder und Botschaften! Die beispiellose Liebe und Solidarität der Neuseeländer hat den Hass des Terrors besiegt. Danke Neuseeland!

Wir haben auch in München bewegende Zeichen der Solidarität erlebt. Am Tag nach dem Anschlag kam eine Frau, einfach eine Münchner Bürgerin, keine Muslima, in unsere Moschee, einfach nur um uns dort zu sagen, wie entsetzt sie ist, und dass sie mit uns fühlt. Wir haben von der Liberalen Jüdischen Gemeinde Beth Shalom eine bewegende Stellungnahme erhalten, für die ich hier sehr herzlich danken möchte.

Für das alles sind wir enorm dankbar! Wir spüren aber dennoch noch einen weiteren Schmerz, über die Trauer hinaus. Wenn wir auf Neuseeland schauen, dann erleben wir leider wirklich, wie sehr weit weg dieses Land von dem unseren ist. Nicht nur geographisch. Buchstäblich am anderen Ende der Welt!

Denn die Art der Trauer dort, die Glaubwürdigkeit der Botschaften von dort, erinnert uns schmerzlich daran, wie weit weg Europa, wie weit weg Deutschland, wie weit weg Bayern von diesem Miteinander der Menschen auf wirklicher Augenhöhe noch ist. Muslime wissen, was ich meine. Sie erleben es jeden Tag. Andere müssen sich bitte bewusst machen, wie nach den Anschlägen von Paris getrauert wurde – Deutschland war in tiefem, echtem Schock. Das Brandenburger Tor wurde beleuchtet, dort standen die Bundeskanzlerin mit Vertreterinnen und Vertretern aller Religionen zusammen. Wochenlang bestimmte das Geschehen die Medien. Doch diesmal geht es um muslimische Opfer. Um Menschen also, über die dieses Land noch immer allen Ernstes debattiert, ob ihre Religion zu diesem Land gehört.

Die Innenminister sowohl im Bund als auch in Bayern – deren Ämter für die Sicherheit aller, und ich betone: aller! zuständig sind –, sind der Meinung, dass das nicht der Fall ist! Warum nur können wir uns überhaupt nicht vorstellen, dass der bayerische Ministerpräsident zugesagt hätte – wenn er angefragt worden wäre –, zu uns hier auf den Max-Joseph-Platz zu kommen, um dieser Mahnwache entsprechendes Gewicht und entsprechende Aufmerksamkeit zu verleihen?

Dies hier ist nicht die rechte Zeit und nicht der Ort, um an all das zu erinnern, was Musliminnen und Muslime erleben – weil ein großer Teil dieses Landes bis hinauf in die Behörden und Regierungen ihnen zu verstehen geben, dass sie hier fremd sind und fremd bleiben sollen, damit sie irgendwann möglichst wieder weggehen. Aber vielleicht ist es eine rechte Zeit, dass Juden, Christen und andere auch diese Realitäten an sich heranlassen, sie sich bewusster machen, und dann noch engagierter dagegen eintreten.

Es ist auf jeden Fall der Ort und die Zeit, um einzufordern, dass wir, die wir im Rat der Religionen zusammenarbeiten, dass Sie alle, die Sie hier her gekommen sind, um an dieser Mahnwache teilzunehmen, dass wir die Kategorien nach „Muslimen oder nicht“, „Juden oder nicht“, „Christen oder nicht“, „Gläubige oder nicht“, nicht mehr verwenden, um Menschen Rechte zuzusprechen oder vorzuenthalten. Die Konflikte auf der Welt, sei es im Nahen Osten oder wo auch immer, dürfen wir in München nicht gegen unser Miteinander ausspielen. Was wir den anderen nicht zugestehen, dürfen wir auch nicht von anderen einfordern. Und was wir von anderen erwarten, müssen wir auch für andere einbringen. Der Islam fördert Freundschaft und nicht Feindschaft, das, was einem selbst lieb ist, auch für andere zu wünschen, den anderen nicht anzutun, was man nicht angetan bekommen möchte.

Gott fordert die Muslime dazu auf, die Botschaft des Friedens zu verbreiten und sich selbst ihrem Gegner gegenüber gerecht zu verhalten, um damit sein Herz zu erweichen und aus ihm einen Freund zu machen.

Gott sagt:
وَلا تَسْتَوِي الْحَسَنَةُ وَلا السَّيِّئَةُ ادْفَعْ بِالَّتِي هِيَ أَحْسَنُ فَإِذَا الَّذِي بَيْنَكَ وَبَيْنَهُ عَدَاوَةٌ كَأَنَّهُ وَلِيٌّ حَمِيمٌ
„Und nimmer sind das Gute und das Böse gleich. Wehre das Böse in bester Art ab, und siehe da, der, zwischen dem und dir Feindschaft herrschte, wird wie ein treuer Freund sein.“ (41:34).
Wir werden Islamhass und Feindschaft nicht mit Vergeltung sondern mit mehr Offenheit, Liebe und Freundschaft besiegen.

Niemals dürfen wir Terror – egal ob er islamfeindlich daherkommt oder islammissbrauchend oder wie auch immer – niemals dürfen wir Terror als Brennstoff für noch mehr Hass, Konfrontation oder gar Gewalt verwenden. Niemals dürfen wir das Tun einzelner Menschen auf die Gesamtheit ihrer Religion oder Ethnie beziehen. So wie niemals der Islam und nicht „die“ Muslime verantwortlich sind für den Terror irregeleiteter Muslime, so sind niemals Christen, Neuseeländer, Australier oder „westliche Menschen“ für den Irrsinn des Terroristen verantwortlich, dessen Name hier nicht wiederholt werden soll. Wer so ein Denken propagiert, verstößt gegen den Geist des Islam, und ich glaube auch jeder anderen Religion. All denen müssen wir uns entgegenstellen.

Wir Muslime bezeichnen einen Terrorakt eines Christen nicht als „christlichen Terror“. Deswegen bitten wir alle Menschen guten Willen, vor allem Politiker und Medien, den Begriff „islamistischer Terror“ NICHT zu verwenden, einfach weil darin der Name unsere Religion steckt. Terror darf nicht im Zusammenhang mit einer Religion verwendet werden

Wir alle, Muslime, Juden, Christen oder säkulare Menschen, müssen gemeinsam Hass, Rassismus und Gewalt widerstehen. Und das können wir, mit Gottes Hilfe, wenn wir füreinander miteinander zusammenstehen.

Wenn wir das nicht schaffen, wie ehrlich wäre dann heute unsere Betroffenheit?

Wenn wir das nicht schaffen, dann sind wir es nicht wert, der Opfer zu gedenken.

Allgemein

Wie sollen wir mit „Muhammed-Karikaturen“ umgehen

Ibn Salul und Muhammed-Karikaturisten: Wie sollen wir mit Beleidigung umgehen? Was sagt der Koran und was sagt der Prophet selbst dazu? Was müssen wir tun, um dem entgegenzutreten? Eine Antwort.

Islamkurs für Erwachsene

Eine Möglichkeit um die wichtigsten Grundlagen des Islam kennenzulernen. Der Kurs bietet eine theoretische Erklärung der Themen: Glaubensinhalte, die fünf Säulen des Islam und weitere.

Videobotschaft Arafat

Der Prophet, Friede und Segen sei mit ihm, berichtet uns davon, dass an dem Tag von Arafat, Allah Sich seinen Dienern nähert und zu Seinen Engeln sagt: ‚Was haben diese gefragt?‘, und Er sagt: ‚Seid Zeugen, meine Engel, dass ich ihnen vergeben habe.‘

Veranstaltungen

Hass und Hetze in Heiligen Schriften

In einer Zeit, in der Hass und Hetze unverhohlen zuzunehmen scheinen, nehmen auch religiöse Fundamentalisten bisweilen Bezug auf ihre jeweiligen Heiligen Schriften, um Konfrontation gegen andere zu rechtfertigen.

Podium zur Kommunalwahl

Das MFI – Münchner Forum für Islam e.V. lädt zu einem Podium ein, auf dem VertreterInnen der Parteien zu ihren Positionen zu Themen wie Migration, Integration, Moscheen, Schulen usw. befragt werden.

ausARTen

AusARTen 2020: Utopia 2.0

ausARTen Perspektivwechsel durch Kunst – Utopia 2.0: Im fünften Ausarten-Festival im Jahr 2020 wollen wir einen Denkraum schaffen, in dem wir frei von Zwängen reale Utopien entwickeln können.

Kritisch Denken

Aufstehen gegen den Hass

Diese Woche starten die „Internationalen Wochen gegen Rassismus“. Auch wir sind wieder dieses Jahr mit Veranstaltungen vertreten.

Beratung als Thema der Sura Asch-Schura

Wochenendseminar mit Dr. Kerim Edipoglu: Beratung als Thema der Sura Asch-Schura im Münchener Forum für Islam e.V., Hotterstr. 16, 80331 München am 11./12.02.2017

Integration

Veranstaltung: Angst ums Abendland

Im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus erklärt der Autor und Journalist Daniel Bax, warum wir uns nicht vor Muslimen, sondern vor Islamfeinden fürchten sollten.

Interreligiöser Dialog

Osterfest-Wünsche

Für viele von uns stehen religiöse Höhepunkte des Jahres an. Sei es das kommende christliche Osterfest, das jüdische Pessachfest oder in wenigen Tagen der Monat Ramadan für die Muslime.

München

Podium zur Kommunalwahl

Das MFI – Münchner Forum für Islam e.V. lädt zu einem Podium ein, auf dem VertreterInnen der Parteien zu ihren Positionen zu Themen wie Migration, Integration, Moscheen, Schulen usw. befragt werden.

Gegen die Angst

Es gibt gute Gründe, Angst zu haben in diesen Tagen. Es ist menschlich, wenn sich ein Gefühl von Bedrohung und Unsicherheit einschleicht und breitmacht. Niemand braucht sich dafür zu schämen oder zu rechtfertigen.

Akademie

Islam-Unterricht für Kinder im MFI

Neuanmeldungen für das Schuljahr 2018/19 im MFI. Einschreibungstermin ist am 06. Oktober 2018. Es werden verschiedene Gruppen für den Religions- und Koranunterricht angeboten.

Imamausbildung in Deutschland

Wir müssen zwischen den beiden Titeln Imam und Vorbeter differenzieren. Ein Vorbeter ist derjenige, der, meist von der muslimischen Gemeinde ernannt, das Gebet lediglich leitet, was im Prinzip ein Jeder-kann-es-machen-Verständnis impliziert.

Islamische Akademie

Die Forderung nach einer Imamausbildung in Deutschland gehört zwar seit Jahren zu den zahlreichen bundesweiten Debatten, aber bislang wurde eine solch essentielle Aufgabe nicht wirklich aufgegriffen. Dass das MFI dabei einen Stein ins Rollen gebracht hat ist kein Geheimnis.

Islam und die Frau

Festgebet – Eid/Bayram-Namaz für Frauen

Allahs Gesandter Muhammed, sallallahu alaihi wa sallam, ermutigte die Frauen, in der Öffentlichkeit Präsenz zu zeigen, und forderte sie auch dazu auf. So verlangte er, dass Frauen an allen Gemeinschaftsgebeten teilnahmen.

Theologie

Nacht der Bestimmung – Lailat-ul-Qadr

Gott hat im Koran eine einzige Nacht unter allen Nächten als „segenswert“ gesprochen und sie „besser als 1000 Monate“ bewertet. Diese Nacht heißt „Qadr“; die Nacht der „Bestimmung“ oder die Nacht des „Werts“.

Botschaft zum Ramadan 2019

Der Ramadan ist die Zeit der Selbstdisziplin und der Selbstfindung. Es folgt eine Zeit der inneren Ruhe, dem Versuch vom irdischen Leben Abstand zu gewinnen und sich nur dem einen und barmherzigen Schöpfer zu widmen.

Ein Prophet der für Frauenrechte kämpfte

Die Offenbarung des Korans hat die Männer gelehrt, die Mutter, Ehefrauen, Töchter, Schwestern und alle Frauen zu achten und zu respektieren. Den Eltern, damit auch der Mutter, räumt der Koran den höchsten Grad an Achtung nach Gott selbst ein.

Spenden

Cake Day 2018

Die berühmte „Charity Week“ von Islamicrelief kommt nach München! Dieses Jahr in Form eines „Cake Day‘s.“

Möglichkeit der Rückzahlung von Spenden

Die Verwirklichung unseres Bauvorhabens sehen wir keineswegs als gescheitert an, es bleibt ausdrücklich das Ziel des MFI, auch wenn sich das derzeit nach Dimension, Gestalt und Standort nicht näher bestimmen lässt.

Pressemitteilungen

Statement #Vienna

Statement by Imam Benjamin Idriz on the terrorist attack in Austria.

Gegen die Angst

Es gibt gute Gründe, Angst zu haben in diesen Tagen. Es ist menschlich, wenn sich ein Gefühl von Bedrohung und Unsicherheit einschleicht und breitmacht. Niemand braucht sich dafür zu schämen oder zu rechtfertigen.

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