MFI Blog

11. Apr 2008 | Integration

München Forum für Islam und soziale Integration

11. Apr 2008 | Integration

Integration darf nicht scheitern!

Von Gönül Yerli

Mancherorts bekommen wir das Gefühl, dass der Terminus „Integration“ nun langsam für Einige zu viel wird. Tatsache ist aber, dass wir nicht nur aktuell, sondern auch sehr rege darüber im Diskurs sind. Das kann man nun unterschiedlich bewerten. Entweder wollen wir keine Integration oder wir haben sie bereits abgeschlossen. Wie auch immer. Wir glauben: Integration beginnt im Kopf und am Ort.

Und deshalb glauben wir auch fest daran, dass wir nur dann sichtbare Erfolge verbuchen, wenn wir die Betroffenen dort abholen, wo sie stehen, am Fuße des Integrationsgipfels. Und dies wiederum wird nur dann fruchten, wenn wir in unsere Bemühungen muslimische Führungskräfte einbeziehen und die Plätze der Interaktion von Muslimen aufsuchen, in Moscheen, in Wohnungen, in Cafes und auf den Spielplatz gehen. Integration muss zu einer Aktion wachsen, die von Muslimen selber kommt. Es ist nun mal so, dass ein Imam oder ein angesehener Muslim, in seinen eigenen Reihen mehr bewirken kann – diese Erfahrung haben wir durchaus gemacht – als ein Minister, ein Politiker oder ein Autor, der hier und da mal in den Medien auftritt und zum Thema, manchmal nicht unbedingt qualifizierte und konstruktive Stellungnahmen abgibt.
Spätestens jetzt sollte die Frage gestellt werden. „Was heißt Integration und vor allem wo und wie beginnt und endet sie“?

Nach unserem Ermessen beginnt sie zunächst bei der sprachlichen Integration, die wie ein Schlüssel alle weiteren Schritte öffnet, führt über das kulturelle Verständnis und die Anerkennung des europäischen Grundwertekonsens bis hin zum Erwerb der Staatsbürgerschaft.

Integration ist – im wahrsten Sinne des Wortes – teuer. Die Bertelsmann Studie hat sie jährlich auf 16 Milliarden Euro beziffert. Natürlich ist es besser, in Integration zu investieren, denn nachzuholende Integration oder gar verfehlte Integration ist immer teurer, besonders im Hinblick jeder einzelnen Lebensperspektive.
Wenn wir heute über Integration sprechen, dann eigentlich unweigerlich über die Integration von Muslimen und dem Islam. Deshalb werden sie bitte verstehen, wenn ich in meinen Ausführungen immer wieder auf die Muslime im Allgemeinen zurückgreife. Bisher gibt es eine Reihe von Untersuchungen, die sich mit den Defiziten, aber auch Erfolgsgeschichten der Integration beschäftigen. Die letzte Studie des Berliner Instituts für Bevölkerung und Entwicklung spiegelt leider größtenteils die öffentliche und politische Meinung wieder.

In unserer heutigen Weltordnung entscheiden Bildung und Ausbildung den Zugang zur zentralen gesellschaftlichen Partizipation. Deshalb liegt ein großes Interesse vom ZIEM an dieser gewichtigen Bildungsarbeit.
In der frühkindlichen Erziehung angefangen fehlt es oftmals den Eltern an Hilfestellungen in sprachlicher und kultureller Hinsicht. Die Kinder wachsen mit mangelnder außerschulischer Förderung auf, bedingt durch geringe kulturelle und ökonomische Ressourcen der Eltern. Zudem wirken sich die erhöhten Anforderungen an die Erziehungskompetenz der Eltern nachteilig auf die außerschulische Förderung der Kinder aus. Die mangelnden Bildungserfolge der Kinder und der Jugendlichen bewirken wiederum geringe Erfolge auf dem Arbeitsmarkt.

Hilfe gäbe es zu Genüge, aber der Mangel am Wissen im Bezug auf die vorhandene soziale Infrastruktur in München, ist ebenso groß, wie häufig die Hemmschwelle, solche aufzusuchen, da Manches als nicht kompatibel mit islamischer Lebensweise angesehen wird. Eine Anlaufstelle soll Muslime ermutigen und unterstützen, an den zur Verfügung stehenden Ressourcen und Angeboten von Staat und Gesellschaft bewusst teilzuhaben. Insbesondere ist es wichtig an der Akzeptanz der bereits existierenden Beratungsstellen zu arbeiten und Familien auf dem Weg in die hiesige Gesellschaft beratend und begleitend bei Seite zu stehen. Denn in den Familien beginnen die Problemansätze vor allem der heranwachsenden jungen Generation, die nicht alleine aus dem Gesamtgesellschaftlichen Leben, in der Schule, im Beruf oder im Freundeskreis entstehen.

Unzureichende Bildung- und Ausbildung, die sich wiederum in der hohen Jugendarbeitslosigkeit niederschlagen, damit mangelnde Zukunftsperspektiven, soziale Ausgrenzung und Diskriminierungen in der Familie und im öffentlichen Raum, diese meist geballt in den problembelasteten und ethnisch verdichteten Stadtteilen, aber auch die zunehmende Globalisierung der Konfliktherde weltweit, sind Erfahrungen Jugendlicher in der schwierigen Phase ihrer Identitätsbildung. Muslimische Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund sehen sich häufig als Verlierer dieser Gesellschaft. Sie werden als potenzielle Gefahrenquelle angesehen, als nicht integrierbar in die pluralistische europäische Gesellschaft. Es herrschen Ratlosigkeit und Stagnation, mangelndes Wissen oder verzerrte Vorstellungen um die eigenen religiösen Wurzeln und Zukunftsangst.

Wir möchten diesen Jugendlichen ein Forum bieten, um über ihren Glauben im europäischen Kontext neu nachzudenken und sich mit den Fragen der Zukunft zu befassen. ZIEM möchte Jugendliche, insbesondere muslimische Mädchen ermutigen, Anstrengungen auf sich zu nehmen, an sich zu arbeiten und die eigene Persönlichkeit zu entwickeln. Im Sinne einer islamischen Lebenshaltung müssen sie in Achtung vor den unterschiedlichen Formen des Zusammenlebens Verantwortung übernehmen und sich den Herausforderungen der Gesellschaft stellen. Wir möchten ihnen bei der Bewältigung der verschiedenen Lebensphasen beistehen, damit sie gemeinschaftsfähige, engagierte und konstruktive Bürger dieser Gesellschaft werden.
Das könnte z.B. die Aufgabe des Interkulturellen Kindergartens sein, dass sich das ZIEM vorstellen kann, in dem schon bei der frühkindlichen Erziehung prägnante Schritte für ein späteres und selbstverständliches Miteinander gelegt werden, in dem die deutsche Sprache den wichtigsten Baustein legt, aber auch die Herkunftssprachen als wichtige Ressource und Bereicherung erkannt werden.
Die heutigen älteren Muslime wurden meist als Arbeitsmigranten für vorübergehenden Aufenthalt in Deutschland von der Wirtschaft angeworben. Viele von ihnen möchten ihren Lebensabend nicht mehr, wie einst von ihnen erträumt, in den Herkunftsländern verbringen. Denn das Ideal von der Familienversorgung im Alter und der Solidarität der Kinder und der Großfamilie wird von der Moderne und dem demografischen Wandel auch in den muslimischen Familien verdrängt. Diese neuen Wege der Lebensgestaltung führen auch zu Belastungen und zu Orientierungsverlusten.

Dieser wachsenden Gruppe der älteren muslimischen Menschen sollen Angebote und Hilfestellungen zur Erhaltung der Lebensqualität und ihrer Selbständigkeit unterbereitet werden. Wir möchten einen Ort des Austausches und der Begegnung für Senioren, ob Muslim oder Nicht, schaffen, an dem sie sich nicht ausgeschlossen fühlen, sondern erleben dürfen, dass sie weiterhin wertvoller Teil der Gesellschaft sind und an ihrer Gestaltung mitwirken können. Das könnte z.B. in Form eines betreuten Wohnens oder aber auch einer ambulanten Einrichtung aussehen. Zudem stellen sich diese Muslime auch die Frage ihrer letzten Ruhestätte, die Überführung nach dem Tod, in die Herkunftsländer ist zwar noch häufiger anzutreffen, die Forderung nach muslimischen Friedhöfen und einer evtl. Sterbebegleitung und einer rituellen Bestattung jedoch immer mehr Bedürfnis.
In diesem Sinne versteht sich ZIEM als eine Art Querschnittsfunktion zwischen muslimischen Migranten und deutscher Gesellschaft.

Allgemein

Videobotschaft Arafat

Der Prophet, Friede und Segen sei mit ihm, berichtet uns davon, dass an dem Tag von Arafat, Allah Sich seinen Dienern nähert und zu Seinen Engeln sagt: ‚Was haben diese gefragt?‘, und Er sagt: ‚Seid Zeugen, meine Engel, dass ich ihnen vergeben habe.‘

Veranstaltungen

Podium zur Kommunalwahl

Das MFI – Münchner Forum für Islam e.V. lädt zu einem Podium ein, auf dem VertreterInnen der Parteien zu ihren Positionen zu Themen wie Migration, Integration, Moscheen, Schulen usw. befragt werden.

Tag der Offenen Moschee am 3. Oktober 2019

Die einzige Moschee der Welt mit direktem Blick auf die Münchner Frauentürme können Sie am 3. Oktober ohne Termin besuchen. Es ist der Tag der Deutschen Einheit und damit auch der Tag der Offenen Moschee, der deutschlandweit begangen wird.

ausARTen

Eine musikalische Lesung – Die Reise zum Simurgh

In Begleitung meditativer Musik gelingt es dem Quartett von Erkenntnis & Klang mit ihrer Musik das Unaussprechliche jener Geschichten von Farid ud-din Attar aus seinem berühmten Epos „Mantiq ut-tair“ spürbar zu machen.

Kritisch Denken

Aufstehen gegen den Hass

Diese Woche starten die „Internationalen Wochen gegen Rassismus“. Auch wir sind wieder dieses Jahr mit Veranstaltungen vertreten.

Beratung als Thema der Sura Asch-Schura

Wochenendseminar mit Dr. Kerim Edipoglu: Beratung als Thema der Sura Asch-Schura im Münchener Forum für Islam e.V., Hotterstr. 16, 80331 München am 11./12.02.2017

Integration

Veranstaltung: Angst ums Abendland

Im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus erklärt der Autor und Journalist Daniel Bax, warum wir uns nicht vor Muslimen, sondern vor Islamfeinden fürchten sollten.

Interreligiöser Dialog

Osterfest-Wünsche

Für viele von uns stehen religiöse Höhepunkte des Jahres an. Sei es das kommende christliche Osterfest, das jüdische Pessachfest oder in wenigen Tagen der Monat Ramadan für die Muslime.

München

Podium zur Kommunalwahl

Das MFI – Münchner Forum für Islam e.V. lädt zu einem Podium ein, auf dem VertreterInnen der Parteien zu ihren Positionen zu Themen wie Migration, Integration, Moscheen, Schulen usw. befragt werden.

Gegen die Angst

Es gibt gute Gründe, Angst zu haben in diesen Tagen. Es ist menschlich, wenn sich ein Gefühl von Bedrohung und Unsicherheit einschleicht und breitmacht. Niemand braucht sich dafür zu schämen oder zu rechtfertigen.

Akademie

Islam-Unterricht für Kinder im MFI

Neuanmeldungen für das Schuljahr 2018/19 im MFI. Einschreibungstermin ist am 06. Oktober 2018. Es werden verschiedene Gruppen für den Religions- und Koranunterricht angeboten.

Imamausbildung in Deutschland

Wir müssen zwischen den beiden Titeln Imam und Vorbeter differenzieren. Ein Vorbeter ist derjenige, der, meist von der muslimischen Gemeinde ernannt, das Gebet lediglich leitet, was im Prinzip ein Jeder-kann-es-machen-Verständnis impliziert.

Islamische Akademie

Die Forderung nach einer Imamausbildung in Deutschland gehört zwar seit Jahren zu den zahlreichen bundesweiten Debatten, aber bislang wurde eine solch essentielle Aufgabe nicht wirklich aufgegriffen. Dass das MFI dabei einen Stein ins Rollen gebracht hat ist kein Geheimnis.

Islam und die Frau

Festgebet – Eid/Bayram-Namaz für Frauen

Allahs Gesandter Muhammed, sallallahu alaihi wa sallam, ermutigte die Frauen, in der Öffentlichkeit Präsenz zu zeigen, und forderte sie auch dazu auf. So verlangte er, dass Frauen an allen Gemeinschaftsgebeten teilnahmen.

Theologie

Nacht der Bestimmung – Lailat-ul-Qadr

Gott hat im Koran eine einzige Nacht unter allen Nächten als „segenswert“ gesprochen und sie „besser als 1000 Monate“ bewertet. Diese Nacht heißt „Qadr“; die Nacht der „Bestimmung“ oder die Nacht des „Werts“.

Botschaft zum Ramadan 2019

Der Ramadan ist die Zeit der Selbstdisziplin und der Selbstfindung. Es folgt eine Zeit der inneren Ruhe, dem Versuch vom irdischen Leben Abstand zu gewinnen und sich nur dem einen und barmherzigen Schöpfer zu widmen.

Ein Prophet der für Frauenrechte kämpfte

Die Offenbarung des Korans hat die Männer gelehrt, die Mutter, Ehefrauen, Töchter, Schwestern und alle Frauen zu achten und zu respektieren. Den Eltern, damit auch der Mutter, räumt der Koran den höchsten Grad an Achtung nach Gott selbst ein.

Spenden

Cake Day 2018

Die berühmte „Charity Week“ von Islamicrelief kommt nach München! Dieses Jahr in Form eines „Cake Day‘s.“

Möglichkeit der Rückzahlung von Spenden

Die Verwirklichung unseres Bauvorhabens sehen wir keineswegs als gescheitert an, es bleibt ausdrücklich das Ziel des MFI, auch wenn sich das derzeit nach Dimension, Gestalt und Standort nicht näher bestimmen lässt.

Pressemitteilungen

Gegen die Angst

Es gibt gute Gründe, Angst zu haben in diesen Tagen. Es ist menschlich, wenn sich ein Gefühl von Bedrohung und Unsicherheit einschleicht und breitmacht. Niemand braucht sich dafür zu schämen oder zu rechtfertigen.

Terror in Halle

Wenn am höchsten jüdischen Feiertag ein Terrorist versucht, in eine Synagoge in Deutschland einzudringen, dann muss uns das alle noch viel mehr zusammenschweißen.

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