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MFI Blog

Beten für den Frieden

26. Feb 2023 | Allgemein

Die heutige Predigt ist inspiriert von einer gemeinsamen Initiative verschiedener Religionsgemeinschaften anlässlich der Sicherheitskonferenz in München, welche diese Woche stattfindet. Bei diesem Anlass wird jährlich unter dem Motto „Beten für den Frieden“ in verschiedenen Gemeinschaften eine Predigt zum Thema „Frieden“ gehalten. Durch diese Zusammenarbeit der verschiedenen Religionen setzten wir ein Zeichen für den Frieden, für das friedliche Miteinander in unserer Gesellschaft und darüber hinaus.

Als eine Konsequenz aus dem koranischen Gebot: „Ihr, die ihr glaubt! Tretet allesamt ein in den Frieden“ (Koran: 2/208) müssen die Gläubigen in der ganzen Welt lautstark ihre Parteinahme für den Frieden entschieden und unmissverständlich, überall und unablässig kundtun.

Islam bedeutet: friedliebender Gehorsam Allah gegenüber, friedliche Akzeptanz und friedliche Praxis des Glaubens im Namen Allahs.

Muslim bedeutet: „friedliebender Mensch“, der Mensch, der Frieden auf Erden verbreitet. Dies bekundet der Prophet Muhammed (s) am besten, indem er den Muslim folgendermaßen beschreibt: „Der Muslim, d.h. der friedliebende Mensch, ist verantwortlich dafür, dass die anderen friedliebenden Menschen vor seinen Händen und Worten sicher sind.“ (Überliefert von An-Nasai)

Die Etablierung des Friedens in unserer Gesellschaft sollte ein kollektiver Auftrag sein.

Wir sind alle dazu aufgefordert selbstbewusste Bürger zu sein, die Zivilcourage als einen ihrer zentralen Werte sehen. Wir dürfen nicht tatenlos zusehen, wenn Menschen aufgrund ihres Glaubens, ihrer Herkunft oder Weltanschauung misshandelt werden.

Wir tragen die Verantwortung, uns an sozialen Prozessen zu beteiligen, die zu Frieden, Stabilität und friedlichem Zusammenleben in der Gesellschaft beitragen. Nur so bleibt die Menschenwürde nicht nur bloße Buchstaben auf Papier, sondern wird eine gelebte Realität, die in jeder Ecke der Welt vorhanden sein wird.

Gerade in Zeiten zunehmender Konflikte, Diskriminierung, Verachtung der Menschenrechte, wo mit Waffen posiert und somit mit neuen Konflikten und Eskalationen der Gewalt gedroht wird, sind wir mehr denn je verpflichtet, unsere Stimme gegen alle Formen von Hass, Gewalt und Aggressionen zu erheben, von welcher Seite sie immer kommen mögen.

Wie wir an den Beispielen Afghanistans, Bosniens, Syriens, dem Jemen oder der Ukraine lernen könnten, solche Konflikte führen unmittelbar zu einer humanitären Krise, von deren schwerwiegenden Folgen hilflose, unschuldige Menschen betroffen sind. Von ihrem Hilfsapell wird im Koran berichtet: „…der Schwachen – Männer, Frauen und Kinder -, die sagen: „Unser Herr, führe uns heraus aus dieser Stadt, deren Bewohner ungerecht sind, und gib uns von Dir einen Beschützer, und gib uns von Dir einen Helfer.“ (Koran:4/75) Um solche bittere Ereignisse zu vermeiden, weist uns der Koran auf ein Prinzip hin, dem keine wahre Alternative entgegen steht : „Die Versöhnung ist besser!“ (Koran: 4/128)

Gott befiehlt dem Propheten die Versöhnung und Friedenstiftung: „Und wenn sie sich dem Frieden zuneigen, dann neige auch du dich ihm zu und verlasse dich auf Allah!“ (Koran: 8/61)

Und wenn die Menschen uns eine Hand der Versöhnung anbieten, soll diese nicht von unserer Seite abgelehnt werden: „Und wenn euch ein Gruß entboten wird, dann grüßt mit einem schöneren zurück oder erwidert ihn. Gewiss, Allah ist über alles ein Abrechner.“ (Koran: 4/86)

Ebenfalls fordert der Koran uns nicht nur zur Kompromissbereitschaft auf, sondern geht noch einen Schritt weiter und fordert den Menschen auf, ein Friedensfaktor zu sein: „Bleibt euch denn Gottes bewusst und stiftet Frieden untereinander.“ (Koran: 8/1) Die Botschaft dieses Koranverses ist deutlich, aus unserem Glauben heraus sollte die Initiative für das friedliche Miteinander zwischen den Menschen entstehen.

Seit über eine Woche ist die Welt mit einer weiteren Katastrophe durch die Erdbeben erschüttert worden. Unsere Mitmenschen in der Türkei und Nordsyrien sind mit einer schweren Prüfung geprüft. Doch auch diejenigen, die weit weg von den Verwüstungen des Erdbebens leben, werden auf andere Weise auf die Probe gestellt, nämlich durch Wohlstand. Während die dutzenden Hilfsorganisationen und Rettungsaktionen gegen die Zeit kämpfen und Überlebende aus den Ruinen retten, sind wir gerade dazu aufgerufen die Not der Opfer zu lindern, in dem wir im Spenden wetteifern, gemäß der Aufforderung des Korans: „Wetteifert miteinander im Tun guter Werke!“ (Koran: 5/48)

Wir brauchen Menschen, die von einem kultivierten Menschenbild, Werten des Friedens, gegenseitigem Respekt und Solidarität geprägt sind, um diese Welt zu einem gemeinsamen Haus des Friedens zu machen!

Barmherziger Allah, Du bist das Licht der Himmel und der Erde, lass Dein Licht den Weg zum Herzen und Verstand der Menschen finden, sodass wir einander mit Liebe statt Hass, Barmherzigkeit statt Wut, Demut statt Arroganz, begegnen. Wenn wir Fehler begehen, gib uns die Kraft uns zu entschuldigen, Feindseligkeiten zu beseitigen und den Weg der Versöhnung einzuschlagen. Schenke deine Barmherzigkeit an die Opfer der Kriege wie auch Naturkatastrophen und schenke den Hinterbliebenen Geduld und Ausgang aus ihrer Not. Befähige uns, uns aktiv für den Frieden und das Wohl anderer einzusetzen. Mögen die Waffen ruhen, möge die Versöhnung über die Rache siegen, möge Frieden in jede Ecke der Welt seinen Platz finden!